The Rebel Project Review – Interview mit Fotograf Kai-Hendrik Schroeder

Rebellieren gegen starre Normen und Gegebenheiten, sich ausprobieren, sich selbst finden und sich stetig weiterentwickeln. Für sein neues Bildband „The Rebel Project“ hat Kai-Hendrik Schröder sich neu erfunden und hat ganz rebellisch neue Wege beschritten. Nach Candyland, ein weiteres schönes Bildband, was seinen Platz in meinem und in hoffentlich auch eurem Regal finden wird. Kai stand uns ein wenig Rede und Antwort zu TRP.

Elle:
Dein Bildband „Candyland“ kam im smarten A5-Format daher, für „The Rebel Project“ hast Du ein außergewöhnlicheres Format (21 x 27) gewählt. Startete damit schon die rebellische Phase? Du spielst auch wieder mit unterschiedlichen Bildformaten, wie kamst Du zu dem Namen des Bildbands und was macht „The Rebel Project“ aus?

Kai-Hendrik Schröder:
Nachdem ich in „Candyland“ ja vornehmlich hübsche Mädels in hübschen Wohnungen zeige und diese Thematik über drei Jahre lang fotografiert habe, war es Zeit für was Neues. Irgendwann hat es sich für mich nur noch so angefühlt, als würde ich einzig Model und Wohnung tauschen. Der kreative Part kam zwar ab und an noch auf, aber so richtig angefixt war ich einfach nicht mehr. Ich brauchte Veränderung, ich brauchte was Neues. Zu der Zeit als ich mit „The Rebel Project“ anfing, habe ich noch in meiner Ausbildung zum Mediengestalter gesteckt. Ich habe in meiner Agentur das Fotostudio eingerichtet und aufgebaut und bin eines Tages im Sommer 2017 vor einem Job hineingegangen und konnte die wunderschönen Schatten sehen, die die Vorhänge auf den Boden geworfen haben. „Bingo!“ – das erste Model fürs Wochenende eingeladen und fotografiert. Dabei habe ich dann viel mit Licht und Schatten, harten und weichen Kontrasten gespielt. Geboren war die neue Idee, mehr davon im Studio zu machen. Reduziert. Ohne Wohnung mit Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Co., sondern hauptsächlich nur vor einer schlichten (manchmal farbigen) Leinwand. Um mich weiter zu challengen habe ich auch mein Equipment reduziert. Statt mit einer Canon 5D Mark 3 oder 6D (Candyland) wollte ich back-to-the-roots. Zu meinen fotografischen Anfängen in Form einer Canon 550D mit Kit-Objektiv, welche ich mir für schlappe 200€ auf eBay gekauft habe. Jeder, der sich ein wenig auskennt weiß natürlich, dass das Kit-Objektiv nichts taugt. Ein Grund mehr für mich, sich damit zu challengen was einigermaßen brauchbares rauszuholen.

Das sind die ersten Schritte meiner persönlichen Rebellion gewesen. Raus aus den Wohnungen, rein ins Studio. Weg mit der teuren Kamera, weil ne Kamera muss ja immer teuer und gut sein, damit man ein gutes Foto machen kann. Nicht. Und dann der Fokus auf diverse Materialien und Spielereien bei den Shootings, beispielsweise Pflanzen oder Lochgitter als Schattenspender fürs Model. Ich habe einfach vieles ausprobiert. Mich ausprobiert. Neues gelernt und wieder richtig Spaß gehabt. Auch mal was anderes machen als sonst. Auch mal unscharfe Bilder machen. Auch mal Schwarz-Weiße Fotos machen. Auch mal nur Details fotografieren. Letztlich ist so dann auch der Name für mich immer präziser geworden: „The Rebel Project“.

Die Gestaltung habe ich diesmal, anders als noch bei „Candyland“, komplett abgegeben. Das Cover hat meine damalige und hochtalentierte Freundin Lea Dietrichs gemacht, die obendrein noch für Postkarten, Sticker, T-Shirts und Poster verantwortlich zeichnet. Das Layout und die Kuratierung des Buches hat der sweete Matthes Zimmermann gemacht. Es sind ne Menge schöner Fotos rausgeflogen, aber letztlich ergibt alles einen Sinn, so wie es jetzt im Buch ist und darüber bin ich extrem glücklich. Es fühlt sich einfach „fertig“ an. Beim Format habe ich mich, das sage ich ganz ehrlich, an der „Tales“-Reihe vom geschätzten Kollegen Ben Bernschneider orientiert. Exakt so auch beim Papier, denn diese Art ist für mich einfach perfekt. Warum also auf Zwang was anderes nehmen, wenn es schon perfekt ist? Ich habe mir das also mal erlaubt.

Aber dennoch hast du Recht. Das spielen mit Farben & Formen, Größen und unterschiedlichen Bildformaten sowie das ungewöhnliche Format des Buches sind die Punkte, die das Rebellische von Innen auch nach draußen tragen sollen.

Model: Anna V
Model: Sara Ci

Elle:
Für „The Rebel Project“ standen ganz außergewöhnliche Models, darunter Sarah Alice, Lara Cet, Mia Marie, Ney Riven, Täsch und Co., vor deiner Linse. Nach welchen Kriterien hast Du die Model-/Bildauswahl getroffen?

Kai-Hendrik Schröder:
Die Modelauswahl war für mich relativ wichtig. Ich wollte ursprünglich eigentlich gerne einen Querschnitt verschiedenster Models erzielen. Egal ob Dick oder Dünn, Dunkle Haut oder Helle Haut, mit gemachten Brüsten oder natürlichen, mit schwarzen oder blonden Haaren, Tattoos oder „reiner“ Haut, Narben und keinen Narben – denn ich bin nach wie vor der Meinung, dass jede Frau schön ist und schöne Seiten an sich hat, die es Wert sind nach oben gefördert und gezeigt zu werden. Leider hat nicht jeder Punkt geklappt, was die Varianz der Models angeht – aber es kann ja auch nicht immer alles klappen. Dennoch bin ich seeehr zufrieden mit den vielen Mädels, die im Buch sind und auch mit allen anderen, die es leider nicht reingeschafft haben, weil Matthes deren Foto-Story als nicht stimmig zum Buch empfand. Das allerwichtigste Kriterium war jedoch, dass sich alle in ihrem Körper und mit sich selbst wohlfühlen. Bei den meisten Models merkt man schon beim ersten Gespräch, ob es harmoniert und ob man Bock hat, das Projekt gemeinsam umzusetzen. Ein gesunder Umgang mit Nacktheit vor der Kamera war natürlich auch nicht ganz unwichtig, denn auch wenn ich viel mit Licht & Schatten spiele um das Nötigste zu verdecken, muss man sich dabei wohlfühlen.

Model: Jana

Elle:
Neben dem Bildband hast Du ebenfalls Prints und T-Shirts mit den Designs von Lea Dietrichs, welche als Illustratorin, Letter- und Grafikdesignerin tätig ist, im Angebot im Shop. Welches Merchandise-Produkt kam Dir nie in die Tüte und um welches würdest Du TRP gerne noch ergänzen?

Kai-Hendrik Schröder:
Das stimmt! Lea ist einfach unfassbar talentiert und ich hatte mega Glück, dass sie mich da insgesamt so supported hat und mir diese vielen schönen Add-Ons gestaltet hat. Da ich selbst unfassbar gerne Caps trage, hätte ich nicht wenig Lust in die Richtung noch was zu probieren – aber das rentiert sich leider nicht so wirklich. Pullis wären noch mega, da ich auch n extrem Hoodie-Fan bin. Vielleicht schießen wir da noch was nach, mal sehen. Ist halt immer auch ein Invest und die Nachfrage muss da sein. Was mir so gar nicht in die Tüte kommt? Gute Frage. Wahrscheinlich Klatschpappen? :-D

Model: Täsh

Elle:
Die Frage aller Fragen: Wie Du weißt, können wir von kreativen Projekten und originellen Bildbänden alle nicht genug bekommen, was steht als nächstes an? Planst Du eine Fortsetzung oder bist Du schon von einem anderem fotografischen Thema angefixt?

Kai-Hendrik Schröder:
Gefühlt gibt es nicht mehr allzu viel, was ich noch in dem Bereich abklappern kann. Ein paar Ideen dümpeln noch in meinem Kopf umher und eventuell entsteht da in nächster Zeit etwas neues. Aber das ist noch nicht spruchreif. Erstmal muss ich hier Platz schaffen und die restlichen 600 Bücher verkaufen – je eher das passiert, desto eher gibts neues von mir :-) :D Ansonsten gilt es für mich erstmal meine Kommerziellen Sachen auf die Reihe zu kriegen, da ich ja erst seit 1,5 Jahren als Werbefotograf selbstständig tätig bin und derzeit viele spannende Projekte auf mich warten – die aber eher nicht in Buchform gezeigt werden können.

Model: Sarah Alice

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Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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