Sublime Review – Interview mit Fotograf Simon Bolz

Der Frankfurter Fotograf Simon Bolz spielt in seinem neuesten Bildband, namens “Sublime”, wieder mit den weiblichen Reizen und setzt Frau erotisch – ohne billig zu wirken – in Szene.

Simon Bolz möchte mit seinen Bildbänden Frisky (2014) und Sublime (2018) sinnliche Geschichten erzählen und nicht nur “Nackedeis” zeigen, sondern ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit vermitteln und zugleich Sehnsüchte wecken.

Sunshine In My Pocket, Chuchurumbache, 2016 – Model: Sabi

Elle:
Sublime ist bereits Dein zweites Bildband, im Jahr 2014 erschien bereits Frisky, welches viel positives Feedback – auch über Coultique Artikel – bekommen hat. Wie unterscheiden sich die beiden Bände voneinander, was hast Du anders gemacht bei Sublime?

Simon Bolz:
Für Sublime habe ich knapp vier Jahre an Bildstrecken gearbeitet, die ich speziell für den Bildband geplant hatte. Diese Bilder habe ich bis zur Veröffentlichung des Buchs unter Verschluss gehalten, was in der heutigen Zeit, in der Fotos in den sozialen Medien praktisch sofort gepostet werden, ziemlich old school ist. Wie ein guter Wein, so braucht auch ein Buch Zeit zu reifen. Diese Zeit habe ich mir bewusst genommen und so ist Sublime auf jeden Fall das reifere Werk geworden.

Ich habe noch mehr auf die Auswahl der Modelle geachtet als bei Frisky. Sie sind im Schnitt 23 Jahre alt und versprühen damit die unverkopfte Leichtigkeit, die eben nur junge Menschen haben. Diesmal habe ich ganz deutlich gemerkt, dass Nacktheit nur mein Stilmittel ist, es in meinen Geschichten aber eigentlich um Freiheit und Jugendlichkeit geht. Um diese wunderschöne Zeit, die jeder von uns als junger Mensch durchleben darf. Das feiere ich im Buch ganz bewusst.

Deshalb bin ich insgesamt auch mit mehr Dankbarkeit an die Arbeit gegangen und war auch bereit, in besondere Locations zu investieren, die ich mir eigentlich gar nicht hätte leisten können, wenn Vernunft mein Kriterium gewesen wäre.

Das Leben ist ernst und die Welt ist böse. Das kommt jeden Tag in den Nachrichten und wir werden ständig mit Schlechtem konfrontiert. Dazu möchte ich mit meinen Bildern einen Gegenpol schaffen. Fotos, die unterhalten, über die man nicht viel nachdenken muss. Dabei gleichzeitig Werke zu schaffen, die trotzdem nicht oberflächlich oder billig sind, macht mich glücklich.

Blush, Évora, 2016 – Model: Katia

Elle:
Wie Frisky überzeugt auch Sublime mit 208 Seiten sinnlicher Erotik, bei Dir geht es nicht alleine um aufreizende Nacktheit, Du erzählst Geschichten, bei jeder Seite, die ich in deinem Bildband umblättere. Du hast für Sublime 30 Bildstrecken von Riga bis Chuchurumbache produziert. Welche Story blieb Dir am lebendigsten in Erinnerung und warum?

Simon Bolz:
In den vier Jahren ist unglaublich viel passiert. In Riga war das Apartment weiß als ich es gebucht hatte, die Tür aber von der Feuerwehr eingetreten und die Wände alle schwarz, als ich zum Fotografieren dorthin kam. Der bekiffte Vermieter war ziemlich verrückt und alles kam mir wie in einem schlechten Film vor.

Zum Glück haben die positiven Erlebnisse überwogen. Grandios war es mit Terez auf Fuerteventura. Ich wollte schon immer ganz Klischee-mäßig eine Frau nackt auf einem Pferd fotografieren. Als ich endlich ein Model gefunden hatte, das reiten konnte, stellte sich noch die Frage wie ich an ein Pferd komme. Ich bin relativ schüchtern und mir fällt es gar nicht leicht, derartige Anfragen zu stellen. Beim Reitstall musste ich dann fragen, ob ich ein Pferd mieten könnte, um ohne Sattel eine Frau darauf zu fotografieren. Als dies endlich raus war und sie dann noch ja gesagt haben, war ich so erleichtert. Das Shooting war spannend, weil so ein Pferd verdammt lebendig ist und einen eigenen Kopf hat. Ich bin viel nebenher gerannt, immer mit dem Auge am Sucher. Den Moment konnte ich richtig genießen und war so glücklich über meinen gewählten Beruf.

Heels On Wheels, Frankfurt, 2017 – Model: Maria
Saddle Up, El Roque, 2017 – Model: Terez

Eine andere großartige Geschichte muss ich auch noch unbedingt erzählen. Mit Katia habe ich im Haus eines berühmten Portugiesischen Künstlers fotografiert. Ein Freund von ihm hat das organisiert und ich habe mich auf ein Experiment eingelassen, das eigentlich gar nicht so meins ist. Ich kannte die Location vorher nicht und konnte nicht richtig planen, was wir fotografieren.

Am Flughafen erwartete uns dann mein Fan mit einem Audi A8 in einer Langversion. Einem Auto, das ehemals dem Präsidenten Portugals gehört hatte. Er fuhr uns durch hohe Maisfelder, bis die Straßen immer schmaler wurden und der Straßenbelag erst zu Kopfsteinpflaster, dann zu einem Feldweg wurde. Dann standen wir vor einer großen Mauer und nach gefühlt zwanzig Minuten machte endlich ein Mann, der nur  eine Ziegenfell-Weste trug, das Tor auf. Es war besagter Künstler und er hatte ein rund 400 Quadratmeter großes Haus, das voller Gemälde war, bis zu acht Meter Deckenhöhe hatte und ich glaube, sechs oder sieben Sofas. Er sagte mir, ich könne mich frei bewegen und überall fotografieren. Es liefen Ziegen herum und auch ein Pfau. So kam es auch zu den Pfauenfedern auf dem Cover. Die Begegnung mit dem Künstler hat mich sehr beeindruckt. Er sagte mir, dass Kunst harte Arbeit ist und irgendwie fühlte ich mich dadurch in meinem Schaffen bestätigt.

Prime Time, Paris, 2015 – Model: Olga

Elle:
Für Sublime hast du 23 verschiedene Schönheiten abgelichtet, darunter Lara,Terez und Chiara. Besonders gut gefallen mir die Strecken mit Katia. Dass deine Models vor der Kamera nicht schüchtern sein dürfen, erklärt sich von selbst. Nach welchen Kriterien suchst Du ansonsten noch Deine Models aus
?

Simon Bolz:
Perfektion wie man es aus der Werbung kennt, ist für mich kein Kriterium. Ich suche eher ein nahbares Mädchen von Nebenan. Schöne Haare und ein übertrieben hübsches Gesicht sind allerdings trotzdem wichtig. Sie müssen etwas besonderes haben. Ich würde mich ein bisschen als Feminist bezeichnen, da mir selbstbewusste Frauen am meisten imponieren. Und das schließt nicht aus, dass sie mit ihren Reizen spielen und dieses Bezirzen auch genießen.

Du sagst, sie dürfen nicht schüchtern sein. Witzigerweise ist das Gegenteil oft der Fall. Ich habe schon oft mit sehr schüchternen Mädchen gearbeitet. Häufig nutzen sie, so absurd das klingen mag, das Modeln als eine Art Therapie, um Bestätigung zu bekommen. 

Ich selbst lasse mich nicht gerne fotografieren. Katia, das Covermodel, hat mir bei unserem ersten Treffen gesagt, dass sie es liebt, fotografiert zu werden. Solch ein Feedback ist toll und in den Bildern auch spürbar. Mit ihr habe ich jedes Jahr eine Strecke fotografiert. Auf der ersten ist sie erst 21 Jahre alt, zum Schluss 23.

Like Ice In The Sunshine, Sitges, 2016 – Model: Sloane

Elle:
Du sagtest einst: “Kunst ist für mich, wenn man von einem Bild magisch angezogen wird und den Blick einfach nicht abwenden kann. Solche Bilder gehören an die Wand.” Aus diesem Grund bietest Du ab sofort jeden Monat ein neues Kunstwerk an. Dabei handelt es sich um Original-Druckplatten des Offset-Drucks vom Bildband Sublime. Die Werke welcher Fotografen haben es bei dir Zuhause an die Wand geschafft?

Simon Bolz:
Gerade habe ich neue Motive gerahmt und zu Hause umdekoriert. Es sind alles Fotos, die ich selbst erstellt habe. Jedoch habe ich keine nackten Frauen an der Wand hängen, sondern jetzt gerade sehr düstere Fotos von Pflanzen in den dunklen Gassen Barcelonas.

Wenn ich mir Bilder aussuchen könnte, würde ich mir Motive von David Bellemere, Purienne und Emanuele Ferrari an die Wand hängen. Diese drei Fotografen begeistern mich sehr. 

Blood Flow Booster, Frankfurt, 2017 – Model: Chiara

Elle:
Die Frage aller Fragen, was steht bei Dir demnächst fotografisch an? Planst Du den Rhythmus von 5 Jahren einzuhalten und ein drittes Bildband zu veröffentlichen?

Simon Bolz:
Über ein drittes Buch denke ich nach. Mit der Veröffentlichung möchte ich mir aber bis 2026 Zeit lassen. Da werde ich dann 50 Jahre alt. Der nächste Bildband wird komplett anders als Frisky und Sublime werden und mit der Konzeption habe ich schon begonnen. Innerlich kämpfe ich aber noch und bin an vielen Stellen schwer unzufrieden. Das treibt mich viel um, bringt mich manchmal um den Schlaf, aber ich versuche zu akzeptieren, dass dieser Prozess wichtig ist, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Bis dahin arbeite ich an kommerziellen Projekten und Kundenaufträgen wie Kalendern und Editorials, die mir eine erfrischende Abwechslung sind.

Hardcover – 208 pages – ISBN 978-3-00-059258-4

WEBSITE
https://www.simonbolz.com/

FACEBOOK
https://www.facebook.com/simonbolzphotography/

INSTAGRAM
https://www.instagram.com/simonbolzphoto/

Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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