Be Coultique – Sven Barucha

Gutes Design ist das Weglassen von Unwichtigem. Ich bin ein Fan von minimalistischen Brandings, klarem Webdesign und schnörkellosen Texten. Sven Barucha liebt Minimalismus, er arbeitet seit mehr als 5 Jahren als freier Art Director und Fotograf in Stuttgart. Design bringt er nicht mehr “nur” zu Papier, sondern kreiert auch vor der Linse. Eine wahrlich gute Entscheidung, durch die er aus der Stuttgarter Kreativ-Szene nicht mehr wegzudenken ist und er in unserer Interviewreihe “Be Coultique” ebenfalls nicht fehlen darf.

Elle:
An Deinen Arbeiten kommt man einfach nicht vorbei, Du hast mich direkt als Fan gewonnen. Jedoch nicht nur Deine fotografischen Werke, sondern auch Deine Arbeiten als Grafikdesigner finde ich sehr gelungen und inspirierend. Du arbeitest seit nun 14 Jahren schon in der Branche und hast 2011 auch die Fotografie für Dich entdeckt, wie kam es dazu?

Sven Barucha:

Erstmal vielen Dank für die Blumen. Die Fotografie habe ich tatsächlich schon früher für mich entdeckt, ich fotografiere seitdem ich 15-16 Jahre alt bin. Damals natürlich nur laienhaft, stilistisch eine komplett andere Richtung und Vollkatastrophe. Oh Gott ich will gar nicht daran denken… Wir sprechen hier von vielen seltsamen Outdooraufnahmen, Langzeitbelichtungen, Naturmotiven und nicht zu vergessen den obligatorischen Blumen-Makros. Zum Thema Studiofotografie und im Speziellen meine Vorliebe für Beauty-Fotografie kam ich viel später.

Während meiner Zeit als Artdirector war ich viel an Kreativ-Konzepten und Brandings für international Kunden beteiligt. Aber irgendwann habe ich den Drang verspürt, nicht „nur“ Ideen auf Papier zu bringen, sondern diese eben auch selbst mit meinen eigenen Händen und durch meine Linse zu kreieren.





Elle:
Gutes Design ist rar, wenn man so an die typische Werbung und Visitenkarten made bei Online-Tools XY denkt. Was macht für Dich ein gelungenes Branding aus und wie sieht Dein Workflow aus?

Sven Barucha:

Es ist schön zu hören, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die das so sehen. Oft wird das gesamte Feld der Kreativ-Leistungen nicht mehr als Leistung betrachtet, sondern eher als „Hobby“. Im Sinne von: „dir macht das doch Spaß, etwas zu kreieren, warum möchtest du dafür Geld?“

Ein gelungenes Branding? Für mich ist ganz wichtig, dass der „Look & Feel“ einfach passt. Vor allem das „Gefühl“ spielt heutzutage eine große Rolle. Was verbinde ich mit einem Produkt, wen verbinde ich damit, wie möchte ich mich fühlen, wenn ich dieses Produkt besitze oder konsumiere. Wie oft greife ich selbst zu einem Produkt oder erwische ich mich dabei, dass ich etwas unbedingt haben möchte, weil es ein gewisses Gefühl bei mir auslöst. Ich liebe Minimalismus und für mich muss eine gutes Branding nicht aus einem handwerklich super kompliziertem Logo mit vielen Spielereien bestehen. Es muss klar und sauber sein. Ein Zusammenspiel aus vielen kleinen Einzelparts: Sei es Farbe, Material, Bildwelt, Typografie bis hin Einsatz der richtigen Wordings und Markensprache.



Elle:
Als Du 2011 mit der Fotografie angefangen hast, was waren Deine ersten Schritte, abgesehen von Kamera- und Equipment-Kauf. Hast Du Fotografen assistiert und Dir so die Technik angeeignet oder Dir alles autodidaktisch beigebracht?

Sven Barucha:

Also die Basics der Fotografie bekommt man ja in fast allen Designstudiengängen oder Ausbildungen nahegelegt. Den Rest habe ich mir tatsächlich autodidaktisch beigebracht. Natürlich gab es damals auch schon einige Youtube-Tutorials und Co., aber das war nicht vergleichbar mit dem heutigen Angebot an Online-Kursen und „Masterclasses“. Im Endeffekt bin ich nach dem Trial-and-Error-Prinzip vorgegangen. Und dieses Prinzip vertrete ich bis heute. Da kommt auch schonmal Mist raus. ;-)

Zum Thema Assistenz: Schande über mein Haupt, aber ich muss gestehen, dass ich in meinem ganzen Leben noch nicht einmal assistiert habe. Viele, die das lesen, rollen jetzt bestimmt mit den Augen, aber ich denke, dass es gerade in einer Branche wie der Fotografie, mit so vielen Sparten und Stilrichtungen genauso viele Wege und Vorgehensweisen gibt, um sich und seine Arbeit zu entwickeln.





Elle:
Fotografen gibt es in Berlin und Hamburg fast wie Sand am Meer, wenn ich jedoch an Fotografie und Stuttgart denke, fallen mir persönlich hingegen nur wenige Fotografen ein. Monica Menez, Frank & Steff, Silke Schlotz (jetzt Hamburg), um nur mal ein paar zu nennen. Wie siehst Du das, Du bist doch etwas näher am Geschehen, wie steht es um die Fotografie-Szene in Stuttgart?

Sven Barucha:

Witzig, ich würde behaupten Fotografen tauchen in den letzen Jahren überall auf, was natürlich auch dem ganzen Social Media- und Instagram-Trend zu verdanken ist. Die Frage ist natürlich immer, wie man einen Fotografen definiert und wen man als Fotografen definiert? Bin ich Fotograf? Puh, vielleicht. Ich mache Fotos, die manchen Leuten gefallen. Oder ist man Fotograf, sobald man hinter seinen Namen „Photography“ schreibt? Wenn man 25.000 Follower hat? Wenn man seine Arbeiten in der Vogue betrachten kann? Oder wirklich nur, wenn man einen Meisterbrief gerahmt im Studio-Loft hängen hat?

Aber zurück zu deiner Frage. Zu Stuttgarts Fotografie-Szene kann ich dir nur meine persönliche Einschätzung geben. Stuttgart hat auf jeden Fall zahlreiche talentierte Fotografen, deren Arbeit ich bewundere. Definitiv gehören in meine persönliche Liste auch Namen wie: Julia Blank, Stephan Glathe, Sarah Dulay, David Spaeth… oh Gott, wen habe ich vergessen? Natürlich auch die von dir genannten Kandidaten, wie Monica Menez und Frank & Steff. Wobei diese ja schon fast eine ganz eigene in die Kategorie verdient hätten. Das sind für mich Künstler, die einen so spezifischen Stil über die Jahr entwickelt und erarbeitet haben, welcher sich in Ihrer gesamten Bildsprache widerspiegelt.

Auch bei den „Jungfotografen“ (darf man das so sagen?) hat Stuttgart echt viel zu bieten, unter anderem Michael Coella oder Leo Rohrsetzer. Beide haben komplett unterschiedliche Stile, aber ein wahnsinnig gutes Auge und eine Leichtigkeit in ihren Arbeiten. Also aus meiner Sicht muss sich Stuttgart überhaupt nicht verstecken.

Elle:
Mea culpa! Wie konnte ich Stephan Glathe in meiner Auflistung vergessen, aber du hast Recht, die Liste ist unendlich und immer wieder verirren sich neue Talente in meinen Feed, egal ob nun erlerntes Können mit Meisterbrief oder autodidaktisch austüftelte Stile.





Elle:
Wenn Du ganz frei wählen könntest, Klient, Team, Model und Location, wie würde Dein “Traum-Shooting” aussehen oder würdest Du lieber für eine Marke ein neues CD ausarbeiten?

Sven Barucha:

Boah ganz schwierige Frage. Jetzt hast du mich erwischt. Ehrlich gesagt haben mir die letzen Jahre gezeigt, dass man sich heutzutage nicht für eine Ausrichtung entscheiden muss ;-)
Also würde ich erst ein neues CD ausarbeiten und ein passendes Shooting dazu umsetzen.

Elle:
Vielen Dank für das Interview, Sven!



I’m Coultique, because … I choose to be authentic

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Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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