Be Coultique – Julian Wohlgemuth

Jeder Schritt auf dem ganz eigenen Lebensweg bringt einen voran auf seiner Reise. “Everything happens for a reason” ist das Motto nach dem Julian lebt und seine Reise von der Hobbyfotografie nun in die Selbstständigkeit wagt.

Elle:
Du hast Dich nach dem Abschluss Deines Studiums der sozialen Arbeit in jeder freien Minute der analogen Fotografie gewidmet und arbeitest seit Beendigung Deines Studiums auch als Sozialarbeiter. Wie sieht ein typischer Tag in Deinem Leben aus? Tagsüber Sozialarbeit – nachts Retusche?

Julian Wohlgemuth:

So ähnlich sah das wirklich mal eine zeitlang aus. Ich habe mich aber in der Zwischenzeit darauf beschränkt von beidem nur so viel zu machen, dass es meine Kapazitäten nicht übersteigt und ich auch genug Zeit für meine Frau, meine Katzen, meine Freunde und mich habe. Seit April habe ich mich mit beiden Berufen selbständig gemacht. Ich musste zu oft Jobs und Projekte in der Fotografie hinten anstellen, da ich als angestellter Sozialarbeiter feste Zeiten hatte und die Nachfrage schlichtweg nicht bedienen konnte. Mit der Selbständigkeit lassen sich beide Sachen, für die ich eine ähnlich große Leidenschaft empfinde, sehr gut verbinden.

Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Elle:
Gestartet bist Du mit Stillleben und dem Kleinkind eines befreundeten Pärchens. Im Jahr 2014 fingst Du an Mädels aus Deinem Freundeskreis und Hobbymodels mit Deiner analogen Canon AE-1 zu fotografieren. Vor Deiner Linse tummeln sich heute hauptsächlich weibliche Models, was muss ein Model neben Posing-Sicherheit mitbringen, um für Dein Portfolio interessant zu sein?

Julian Wohlgemuth:

In erster Linie muss das Model Selbstsicherheit ausstrahlen. Ich kann nicht sagen, dass ich einen gewissen Typ Model habe, aber ich habe schon einen gewissen Faible für außergewöhnliche Gesichter entwickelt. Vielleicht liegt’s daran, dass ich am liebsten Portraits mache.

Polina for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Elle:
Du hast Celine Bethmann kürzlich für das Harbor Magazine fotografiert. Im Team hast Du mit Nina Jasny Styling (Nina Klein Agency), Hair & Make-up Artist Dagmar Schwarz und Retoucher Arno Steinfort gearbeitet. Wie viel Potenzial steckt Deiner Meinung nach in der aktuellen Germany’s Next Topmodel-Truppe und welche von diesen Schönheiten hättest Du selbst gerne mal vor der Linse?

Julian Wohlgemuth:

Ich denke die Mädels sind in erster Linie für das Fernsehformat gecastet und sollen den Zuschauer unterhalten. Sicher haben einige Modelpotenzial, aber das finde ich als Fernsehzuschauer schwer zu beurteilen, wenn sich die unerfahrenen Newfaces schon in der zweiten Folge nackt vom Profifotografen ablichten lassen müssen. Der Unterhaltungswert steht für mich beim Anschauen im Vordergrund, als die Potenziale der Models. Ich warte mal ab, bis sich das Ganze noch mehr lichtet und Challenges und Zickenkrieg die Models nicht mehr überschatten. Letztes Jahr habe ich Serlina und Céline am Ende favorisiert. Wenn ich jetzt im Moment wählen soll, finde ich in dieser Staffel Selma (schon lange ausgeschieden) und Trixie vom Look her interessant.

Céline Bethmann for ONEeins fab Management/
Styling: Nina Jasny/ MUAH: Dagmar Schwarz

Katharina Siekmann for Seeds

Annabell for No Toys

Elle:
Du bist von ursprünglich analoger Fotografie zur digitalen Fotografie gewechselt, reizt Dich die Arbeit mit den wundervollen alten Fotoapparaten, die Reduktion auf das Wesentliche, die Unschärfe, die Körnung usw. :)) gar nicht mehr?

Julian Wohlgemuth:

Doch, das reizt mich immer noch. Dauert mir nur irgendwie zu lange. Von daher versuche ich immer noch genau das in der Frage beschriebene zu adaptieren und digital zu verwenden. Ich lasse mir immer Zeit, bevor ich den Auslöser drücke und shoote immer noch so als hätte ich nur 36 Fotos auf dem Film. Bevor das Bild nicht so ist wie ich es haben will, drücke ich nicht auf den Auslöser. Natürlich werde ich digital niemals den schönen analogen Farb- oder Schwarzweißlook, den Filme zu bieten haben, bekommen, aber ein bisschen Körnung kommt auch immer bei der Bearbeitung in die digitalen Bilder. Die darf für meinen Geschmack nicht fehlen.

Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Elle:
Dein erster großer Auftrag war Ende 2016 für die Winterkollektion von Fritzi aus Preußen. War das damals ein Kampagnenshooting oder Lookbook? Wenn du frei wählen könntest, mit welchem Label würdest Du gerne mal zusammenarbeiten?

Julian Wohlgemuth:

Das Shooting für Fritzi war in erster Linie Lookbookshooting, es wurden aber nebenbei auch viele Imagefotos geshootet die dann für Social Media und Handel genutzt wurden.
Ich kann mir im Prinzip eine Zusammenarbeit mit jedem Label vorstellen, das sich mit meinem fotografischen Stil identifizieren kann. Die Kampagnen von Marc O’Polo, Prada und Jil Sander wären Beispiele für das, was ich fotografisch gut bedienen könnte. Schlicht, natürlich, mit dem Fokus auf die pure Schönheit. Ich würde mich sehr freuen, wenn mich der Weg irgendwann mal dahin führt.

Polina & Chiara for Munich Models/ MUAH: Janine Burg

Tricia for No Toys

Elle:
Inspiration findet man überall, ob im Alltag, in der Natur, durch Musikclips, in der Mode oder aus großen Magazinen und von bekannten Fotografen. Kürzlich hat sich die Page Online auch mit dem Thema befasst und das Cover-Motiv vom »ZEITmagazin«, dem Programmheft des Münchner Residenztheater gegenüber gestellt. Wann ist die Rede von “gleicher” Idee und ab wann ist es geistiger Diebstahl/Bilderklau? Wie stehst Du zu dem Thema?

Julian Wohlgemuth:

Es ist natürlich ein schmaler Grat. Vor allem wenn sich die Motive so ähnlich sind wie in dem Beispiel mit der ZEIT und dem Programmheft. Jedoch ist es auch jedes Mal eine Herausforderung zu versuchen etwas Neues zu schaffen, da alles auch schonmal irgendwie irgendwo da gewesen ist. Ich würde die Grenze so ziehen wie in der Musik. Wenn jemand Musik sampled gilt das nicht als Diebstahl, sondern viel mehr als neu interpretiertes eigenes Werk. Sprich, wenn die Quelle der Inspiration eines Bildes erkennbar ist, aber ein neuer kreativer Gedanke im neu geschaffenen Werk vordergründig ist, sehe ich das nicht als Diebstahl. Mal abgesehen davon, dass ein Foto meist eine Momentaufnahme ist, die sich kaum zu 100% nachstellen lässt.

Louisa for PMA

Hannah for Munich Models

Elle:
Zum Schluss, wenn wir gerade schon bei Inspiration sind, welche Fotografen findest Du inspirativ?

Julian Wohlgemuth:

Peter Lindbergh, Horst P Horst, F.C. Gundlach, Herb Ritts, Albert Watson

Femke & Felice for Munich Models/ MUAH: Dagmar Schwarz

Femke for Munich Models/ MUAH: Dagmar Schwarz

Femke for Munich Models/ MUAH: Dagmar Schwarz

I’m Coultique, because … everything happens for a reason.

WEBSITE
https://julianwohlgemuth.com/

FACEBOOK
https://www.facebook.com/julianmarochowfotografie/

INSTAGRAM
https://www.instagram.com/julianwohlgemuth.de/

Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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