Be Coultique – Bjørn Jansen

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Bjørn Jansen lebt und arbeitet in der größten Stadt am Bodensee, im schönen Konstanz. Er liebt den Facettenreichtum in der Fotografie, die Farben, die Gegensätze, die verschiedenen Stimmungen, die Wiedergabe all dessen in optimalen Bildern.

Elle:
Ist das rein Wissenschaftliche für Dich die Realität oder vertrittst Du die Weltanschauung, dass es noch andere Einflüsse gibt, die unser Tun und Leben bestimmen? Die Zahl 107 hat in der Esoterik eine bestimmte Bedeutung, für Dich auch oder ist es eine reine Glückszahl?

Bjørn Jansen:

Einfach alles bestimmt unser Tun und Handeln und dann auch wieder nichts. Ich glaube diese Frage kann man nicht wirklich beantworten, es sei denn, man macht eine Wissenschaft draus. Ich für meinen Teil, lasse mich sehr gerne treiben und sauge Einflüsse aus meinem Umfeld auf und bin sehr weltoffen. Einflüsse von außen zu steuern ist ein bisschen schwierig, denn wie kann man etwas kontrollieren was man nicht beeinflussen kann (außer man sperrt sich im Keller ein ). Aber um es auf den Punkt zu bringen, ich bin ein grundsätzlich positiver Mensch, der versucht in (fast-)allem immer etwas Gutes zu sehen. Ich laufe mit offenen Augen durch die Welt und versuche über den Tellerrand hinaus zu schauen. Die Geschichte zur 107 ist schon eine verrückte. Es ist nicht so, dass ich paranoid durch die Straßen ziehe, wie Jim Carry im Film „the number 23“, aber die Zahl scheint mich einfach zu verfolgen. Ein paar Beispiele: ich bin am 10.7. geborgen, meine Stammkneipe trägt den Namen 107, meine Telefon- Durchwahl im Büro ist die 107, mein bis dato wichtigstes Shooting hatte ich in einem Hotelzimmer mit der Zimmernummer 107 und so geht es immer weiter… alles 107er, auf die ich keinen Einfluss hatte. Zufall? Vielleicht … vielleicht auch nicht. Ich verfolge das mit Spannung. Ich weiß noch nicht, was es zu bedeuten hat, aber vielleicht macht es ja irgendwann klick.

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Elle:
Du bist gelernter Fachinformatiker und kamst über Umwege zur Fotografie. War es für Dich anfangs schwierig, aus dem sehr technischen Bereich in den kreativen eines Fotografens umzuschwenken bzw. beide Bereiche zu verbinden und einen Nenner zu finden?

Bjørn Jansen:

Nein ganz und gar nicht, diese beiden Seiten an mir laufen komplett autonom. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Grafisches, habe aber auch einen Faible fürs Analytische und wollte daher früher immer Spieleprogrammierer werden, was ja eine perfekte Symbiose aus beidem ist. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die logisch/analytische Seite an mir, das Kreative braucht und umgekehrt. Beim Fotografieren sind ja auch beide Seiten gefragt. Es gibt den technischen Teil ( Hardware & Logistik etc. ) und den kreativen Prozess, die Ideen-Entwicklung. Der Beruf des Fotografen ist ja immer noch ein Handwerk, was nicht zwangsläufig etwas Kreatives sein muss, aber aus meiner Sicht sein sollte.

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Elle:
Kreativität ist für einen Fotografen wichtiger denn je. Was blockiert Dich und was brauchst Du um deiner Kreativität freien Lauf lassen zu können?

Bjørn Jansen:

Eine Deadline!!! An dieser Stelle möchte ich Jack White (Sänger der White Stripes ) zitieren:
Deadlines and things make you creative. Opportunity and telling yourself “Oh, you have all the time in the world, you have all the money in the world, you have all the colors in the palette you want, anything you want,” I mean, that just kills creativity.

Wenn ich entspanne und keinen Druck habe, bekomme ich die Krise. Am besten agiere ich unter Stress und Drucksituationen. Ich bin jemand, der im Chaos ganz gut zurecht kommt. Das soll nicht heißen, dass ich unorganisiert bin, ganz im Gegenteil. Ich weiß nur, wie ich in gewissen Situationen reagiere und egal was man plant, am Set wird eh immer alles anders. Ein weiter Kreativitätskiller sind räumliche Beschränkungen, klingt nach Klischee aber Kreativität benötigt Platz.

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Elle:
Es dürfte zugleich ein Fluch und ein Segen sein, wenn die eigene Verlobte modelt, wir sprechen hier nicht von einem hobbymäßigen Model, sondern von der attraktiven und schönen Deborah Frey, die sowohl für Commercial als auch für Fashion-Fotografie häufig gebucht wird. Ist sie somit auch dein Lieblingsmodel oder variiert der Modeltyp je nach auf Auftrag ganz stark?

Bjørn Jansen:

Absolut! Deborah ist der Wahnsinn! Unabhängig davon, dass wir eine Beziehung führen, ist sie das beste Modell das ich kenne. Sie ist im höchsten Maße professionell, immer top vorbereitet und was das Wichtigste ist, sie denkt mit. Natürlich ist sie mein Lieblingsmodell. Ich könnte zwar so tun, als wäre das nicht der Fall, aber machen wir uns nichts vor, das würde mit niemand abkaufen. Allerdings haben wir aktuell einen Art Fotosperre vereinbart. Da ich so viele großartige Fotos von Deborah in meinem Portfolio habe, sieht es einfach nicht so gut aus, wenn im Portfolio immer nur noch ein Gesicht auftaucht. Auch wenn jedes Shooting mit Debby aus meiner Sicht großartig ist, muss man sich schon dazu zwingen, auch andere Modelle zu suchen.

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Elle:
Fotografisch ist Dein großes Vorbild Annie Leibovitz, was ich zu 100% nachempfinden kann. Wo siehst du Dich momentan als Fotograf, welche Ziele hast Du dir noch gesteckt, die Du in den nächsten Jahren verwirklichen möchtest?

Bjørn Jansen:

Wo sehe ich mich momentan? Das ist eine sehr schwierige Frage. Nach 10 Jahren in der Fotografie, sehe ich mich irgendwie noch am Anfang. Man sagt mir zwar einen gewissen Bildstil nach, aber ich versuche mich gerne immer mal wieder neu zu erfinden. Insbesondere dieses Jahr, habe ich mir einige Dinge vorgenommen, die ich so noch gar nicht gemacht habe. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch und bin schnell gelangweilt. Der Trend geht bei mir aber klar in Richtung Inszenierungen. Hier habe ich ein paar großartige Menschen, die mich unterstützten und ich bin derzeit dabei, ein Team auf die Beine zu stellen die Leidenschaft an großen Inszenierungen haben. Das ist nicht immer ganz einfach, die passenden Leute zu finden. Aber wer weiß, was in 2 Jahren ist, vielleicht entwickle ich dann eine Liebe für Katzenfotografie oder mache Bewerbungsfotos … nein Scherz, das wird niemals passieren.

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Elle:
Nach einer längeren Zeit als Konzertfotograf switchtest Du um zur People-Fotografie, das kam speziell durch Deine Zeit als “Head of Photography” bei dem Magazin Kinkats. Wie dürfen wir uns Deine damalige Arbeit bei Kinkats vorstellen? Was zählte zu Deinen Aufgabengebieten?

Bjørn Jansen:

Als „head of photography“ war ich primär verantwortlich für die Inhalte in unserer Printausgabe des KinKats Magazins. Diese zum einen zu erstellen, oder eingereichte Strecken zu kontrollieren bzw. abzusegnen. Das Kinkats Magazin hat damals sehr polarisiert, weil wir die Ersten waren, die in Deutschland ein Hochglanz Magazin analog zum Webvorbild der Suicide Girls auf den Markt brachten. -Korrektur- die Ersten mit Stil! Ein neues Magazin am Markt, ist auf Einreichungen/Submissions von motivierten freien Fotografen und Modellen angewiesen. Und wir hatten wirklich viele. Meine Aufgabe war unter anderem, mir talentierte Fotografen und Modelle zu suchen und Ihnen zu helfen, ihre Fotostrecken besser zu machen, aus kreativer und technischer Sicht. Es waren viele Amateure dabei, mit technischen Defiziten, die aber sehr motiviert waren. Zudem war die Bildauswahl, die ins Magazin kam, auch ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Wobei wir dies zu dritt beschlossen haben. Drei sehr unterschiedliche Charaktere – da sind schon öfter mal die Fetzen geflogen, zumal mir unser Chefredakteur gerne den Titel „Frauenversteher“ verpasst hat. Das war nicht ganz unzutreffend, aber aus seinem Mund war das nicht zwangsläufig als Kompliment zu verstehen. Mir waren ( und sind) ästhetische Fotos extrem wichtig. In einem erotischen Magazin sind nackte Tatsachen aber halt auch ein wichtiger Bestandteil. Neben den Arbeiten im Hintergrund war ich natürlich auch verantwortlich dafür das ein eine Strecke von mir ins Heft kam, in der Regel waren es die Coverstorys, manchmal auch 2.

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Elle:
Ein gutes Bild ist in der Fashionfotografie ein ganz anderes, als in der Konzertfotografie. Was ist für Dich die Schwierigkeit bei der Konzertfotografie, um die richtigen Emotionen zu zeigen?

Bjørn Jansen:

Die Schwierigkeit liegt hierbei weniger bei mir, als beim Artist. Ich kann bei Konzerten nur bedingt meine Kreativität einbringen, da ich darauf reagieren muss, was der Künstler vorgibt und dann meine persönliche Note einbringen. Andererseits bin ich großer Musikfan und die Musikfotografie liegt mir demnach ganz besonders am Herzen. Ich denke eine meiner großen Stärken in der Musikfotografie, ist genau diese Leidenschaft für Musik, da ich sehr oft Situationen während eines Konzertes antizipieren kann. Hier geht es um Bruchteile von Sekunden. Beispielsweise ein Jumpshot: auf einen Sprung vom Gitarristen kann man nicht reagieren, das geht einfach zu schnell. Man muss es ein Stück weit erahnen.

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Elle:
Welches Shooting war Dein bisheriges Highlight, an welches erinnerst Du Dich besonders gerne zurück und bei welchem bist du froh, dass es vorbei ist?

Bjørn Jansen:

Darf ich auch 2 Highlights nennen? In der Musikfotografie ist definitiv mein Portraitshooting mit der Band Stone Sour 2008 bei Rock am Ring. Ich bin ein großer Fan der Band und dieses Foto zu bekommen, ohne Magazinsauftrag war der Wahnsinn. Zumal es das erste Mal war, das ich bei Rock am Ring einen Backstagepass hatte und sogar weisungsbefugt war. Für das Shooting hatten wir eine effektive Zeit von 10 Minuten und wir hatten 6 h Organisationszeit vor Ort. Das war schon sehr spannend Artist-Shuttels und Security zu organisieren, das kann man sich gar nicht vorstellen. In der Fashionfotografie war mein schönstes Shooting „il paradiso, welches wir letztes Jahr für die Designerin VALE geschossen haben. Auch hier gab es Stunden des Aufbaus, für eine sehr kurze Shooting-Phase. Ich liebe den Prozess wie ein Bild entsteht, Sets zu basteln, einfach Sachen zu organisieren und was das wichtigste ist, kreative Menschen um mich zu haben, die alle an einem Strang ziehen.

Das schlimmste Shooting war ein Auftrag für ein Werbeplakat, auf das irgendwie alle Beteiligten keinen Bock hatten, weil sie mit dem Inhalt nicht so wirklich einverstanden waren. Zudem war auch noch ein Creativ-Director dabei, der sich aufgeblasen hat, als wäre er Gottes rechte Hand. Dabei aber null Ahnung und fürchterliche konzeptionelle Ideen hatte. Als er mir dann auch noch meinen Job erklären wollte, wäre ich fast gegangen. Ende vom Lied war, wir hatten 60 Minuten Shooting Zeit, 55 Minuten habe ich den Mund gehalten und in den letzten 5 Minuten habe ich dann mal das Kommando übernommen. Jetzt rate mal, wann das Bild entstanden ist, das der Kunde am Ende in Druck gegeben hat? Aber es war ein wirklich harter Weg dahin. That´s the business.

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Elle:
Wenn Du die freie Wahl in Bezug auf ein Shooting hättest, für welchen Auftraggeber würdest du gerne fotografieren und welche Location und welche Models würdest Du dafür wählen?

Bjørn Jansen:

Wo wir wieder beim Kreativitätskiller wären. Alle Mittel zur Verfügung zu haben ist echt schwierig. Ich komme gerade von Rock am Ring und habe bis eben noch Fotos vom diesem grandiosen Festival bearbeitet. Daher würde ich mir das Unmögliche wünschen: Taylor Momsen ( Sängerin von the pretty reckless und modell ) in einem Hochzeitskleid von Chanel auf der Centerstage von Rock am Ring zu inszenieren. Das Styling würde ich wahrscheinlich Taylor Momsen überlassen und für die Bühnenshow hätte ich gern Rob Zombie mit im Boot. Das Ganze dann noch gedruckt auf dem Cover der Vanity Fair, könnte glaube ich ganz cool kommen. Genug fantasiert?

I’m Coultique because, i know what love is.

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Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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