Point of view – Raphael Weiland

Wer möchte dem Ideal nicht entsprechen, jung, erfolgreich, schlank und schön? Bei dem Thema Schönheit scheiden sich die Geister, nicht einmal die Medien vermitteln ein einheitliches Bild. Von der einen Seite wird man mit Body positivity und Selbstliebeposts förmlich dazu „gezwungen“ natürlich zu altern, auf der anderen Seite vermitteln Magazine die neuesten Diät-Trends und verkaufen einem Beautyprodukte, um jeden Makel zu überdecken, wegzutrainieren oder operativ den Kampf anzusagen.

Seit mehreren Wochen strahlen mich nicht mehr nur Models und klassische Influencer in den neuesten Reels bei Instagram an, sondern auch der verschmitzt grinsende Arzt für ästhetische Medizin Raphael Weiland.

An diesem Beauty-Doc gibt es momentan kein vorbeikommen, die ein oder andere Kundin kommt alleine wegen ihm, nicht zwingend wegen seinem Können in die Praxis, so bekommt man den Eindruck. An Anästhetikum kann Dr. Weiland wohl sparen, wenn man sich die vielen Kommentare anschaut, fallen die Kundinnen nur so reihenweise in Ohnmacht. 😉

Der renommierte Schönheitchirurge Dr. med. Afschin Fatemi hat 2002 S-thetic gegründet. S-thetic ist eine Gruppe von Behandlungszentren für ästhetische Medizin, in Deutschland und Österreich. Raphael Weiland ist Arzt für ästhetische Medizin und leitender Arzt von S-thetic Frankfurt am Main.

Elle:
Bei S-thetic haben sich die einzelnen Ärzte auf wenige Schwerpunkte spezialisiert. Würdest Du uns bitte etwas über Dein Leistungsspektrum erzählen? Du hast Dich auf nicht operative Behandlungen spezialisiert?

Raphael Weiland:

So ist es. Mein Fokus liegt auf Allem, was ohne OP gemacht werden kann.
Dazu gehören insbesondere die Unterspritzungen mit Botulinumtoxin und Hyaluron, aber auch Laser-Behandlungen und nicht-invasive Verfahren zur Körperformung. In meiner Zeit als Student habe ich schnell gemerkt, dass mir das lange Stehen im OP keinen Spaß macht – es war also klar, dass aus mir kein großer Operateur wird.

Elle:
Spitzenreiter in Sachen Schönheitschirurgie sind die USA, doch auch in Deutschland hat bei plastischen und ästhetischen Eingriffen ein regelrechter Beauty-Boom stattgefunden. Womit hängt dies Deiner Meinung nach zusammen? ..und jetzt sag nicht mit dir.. ;)

Raphael Weiland:

Naja, ich trage sicher einen kleinen Teil dazu bei. :)
Den Drang zur Selbstoptimierung sehen wir in Deutschland spätestens seit dem Boom von Fitnessstudio-Ketten. Fast jeder von uns ist Mitglied in irgendeinem Gym oder macht anderweitig Sport. So toll Sport ist – alles am Körper kann man damit nicht formen. Und da kommen dann wir (Beauty Docs) ins Spiel. Soziale Medien, einschlägige Fernsehformate, aber auch Corona beflügeln unsere Arbeit. Home Office & Maskenpflicht erlauben aktuell mehr Downtime als die Jahre zuvor. Das Schöne ist aber, dass ganz Vieles mittlerweile auch ohne große OP machbar ist.

Elle:
Der Gang in die Schönheitsklinik ist also nichts Besonderes mehr? Dann räume mal Klischees aus der Welt.

Raphael Weiland:

Das würde ich nicht sagen. Für unsere Patienten ist es immer noch etwas Besonderes. So gerne wir unsere Patienten sehen – ein Besuch bei uns sollte doch eher die Ausnahme sein. Was man definitiv sagen kann, ist, dass mehr Leute nachhelfen lassen, als sie zugeben. Es ist aber auch nichts dabei, zu uns zu kommen. Wir reden ja auch von Selbstbestimmung über den eigenen Körper in anderen Kontexten. Wenn man also hier und da etwas nachhelfen lässt, weil man sich dann wohler fühlt, dann ist das Jedermanns gutes Recht. Natürlich muss alles lege artis – das heißt ordungsgemäß von einem Fachmann sprich dem Arzt durchgeführt werden.

Elle:
Mit Deinen Reels triffst Du den Zahn der Zeit! Mit Deiner neuen Form der Kunden-Akquise wirbst Du auf charmante, unterhaltsame und informative Weise für die ästhetische Chirurgie. Dabei ziehst Du durch die Wahl des Mediums vermehrt auch eine junge Zielgruppe an. Hast Du eine Verschiebung der Altersklasse hin zu einem jüngerem Klientel festgestellt?

Raphael Weiland:

Danke für das Kompliment. Ich möchte vor allem mit Klischees von Duck Faces und Katzengesichtern aufräumen. Das ist nämlich lediglich das unschöne I-Tüpfelchen unserer Branche. Man kann sehr viel machen lassen und trotzdem sein schönes, natürliches Äußeres bewahren. Natürlich kommen über Soziale Medien vermehrt Patienten unter 35. Die ganz jungen Patienten (18-22 J.) bleiben jedoch trotzdem die Ausnahme. Man darf auch nicht unterschätzen, wie viele Menschen über 40 Instagram und TikTok haben. Behandlungen von Minderjährigen führe ich selten und nur mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten durch. Es kommt aber doch immer mal wieder vor. Reduktion von Selbstverletzungsnarben und übermäßigem Schwitzen sind bei ihnen die Spitzenreiter.

Elle:
Gerade das Selbstbild vieler jungen Mädchen und Frauen ist durch die Mode-/Modelwelt geprägt. Dabei lässt man gerne außer Acht, dass selbst bei den fast makellosen Models noch Retusche zum Einsatz kommt. Du hast auch als Model gearbeitet und so diese Sichtweise als auch die des Beauty-Doc kennengelernt. Wie siehst Du das vermittelte Bild von Schönheit?

Raphael Weiland:

Problematisch. Oft wird jungen Menschen in der Modewelt ein unrealistisches Bild und falscher Stellenwert von Schönheit vermittelt. Das ist auch der Grund, weshalb man nur Patienten mit realistischen Vorstellungen und vernünftigem Selbstbild behandeln sollte. Wer charakterlich nicht gefestigt ist, sollte nicht versuchen, seinen Selbstwert mit schönheitsmedizinischen Eingriffen aufzupolieren. Neben allem Kritikwürdigen gibt es aber auch positive Entwicklungen in der Modeindustrie: Dove ist doch beispielsweise ein Vorreiter für Body Positivity, die neue Calvin Klein Kampagne, die letzte Miss Germany Wahl und so weiter. Ich habe das Gefühl, dass sich die mediale Darstellung von Körperidealen positiv verändert. Alles in allem halte ich die große Mehrheit meiner Patienten für sehr vernünftig im Umgang mit ihrem Äußeren.

Elle:
Wie sieht es mit dem Anteil der männlichen Patienten aus? Die beliebtesten Eingriffe sind bei Männern Fettabsaugung, Nasenkorrektur, Augenlid- und Bauchdeckenstraffung und Gynäkomastie. Siehst Du auch einen vermehrten Trend von Männern in Richtung nichtinvasive Ästhetikbehandlung? Wieso gesteht man Männern, z. B. in Sachen Falten und Narben mehr zu als Frauen?

Raphael Weiland:

Absolut. Gerade Männer sind froh, wenn sie um eine OP rum kommen. Der Anteil männlicher Patienten nimmt auch bei uns deutlich zu. Weshalb man Männern mehr „optische Faux-Pas“ zugesteht als Frauen, ist ein komplexes Thema. Sicher steuert eine veraltete gesellschaftliche Sicht der männlichen Rolle in Beziehungen, Familie etc. dazu bei. Aber auch die Evolutionsbiologie tut ihr Nötiges. Fakt ist jedoch: Der Druck auf uns Männer wächst. Hast du mal gesehen wie die Jungs auf TikTok aussehen? Das sind die Männer von morgen. Wir müssen uns alle warm anziehen :)

Elle:
Dass man sich nur auf Grund des eigenen Empfindens für Schönheitseingriffe entscheiden sollte, da wirst Du mir wahrscheinlich zustimmen. Kamst Du schon in die Situation, dass Du Kundinnen ablehnen musstest, weil Du im Vorgespräch den Eindruck bekamst, dass möglicherweise eine emotional-instabile Persönlichkeitsstörung der Idee eines Eingriffs zu Grunde liegt? Wie gehst Du damit um?

Raphael Weiland:

Ja, ich stimme dir zu und ja, diese Situationen gibt es immer mal wieder. Wenn man als Arzt das Gefühl bekommt, dass eine Patientin die falsche Motivation für die Behandlung hat, sollte man das offen ansprechen. Dass ich Patienten ablehne, kommt vielleicht 3-5 Mal pro Monat vor. Meistens liegt es aber einfach daran, dass Patienten einen Makel überbewerten und ich diesen nicht für korrekturbedürftig halte. Die allermeisten dieser Patienten sind alles andere als enttäuscht, wenn man sie ablehnt. Viele empfinden meine Absage als Befreiungsschlag, ganz nach dem Motto: „wenn er (der sein Geld damit verdient) es nicht ändern würde, wieso sollte ich es dann tun?“

Elle:
Eingriffe für die Schönheit sollen das Aussehen auch permanent verändern. Liegt aber nicht auch in der Unvollkommenheit der Reiz? Jemand ganz ohne Makel, ist das nicht auch langweilig? Mit welchen Augen siehst Du Dein Gegenüber, speziell bei Frauen? Du persönlich stehst eher auf üppige Hintern à la Kim Kardashian oder Jennifer Lopez? Was muss bzw. hat Deine Partnerin noch mitgebracht/mitzubringen und was siehst Du eher als eine liebenswerte Unvollkommenheit?

Raphael Weiland:

Es wäre vermessen, zu glauben, mein Berufsstand könne optische Vollkommenheit erreichen. Das ist auch nicht mein Ziel. Ein Mediziner, der versucht bei seinen Patienten optische Vollkommenheit zu erreichen, schießt mit großer Wahrscheinlichkeit über das Ziel hinaus. Viel mehr sollte man schauen, dass man diejenigen Makel behebt, die einen Menschen wirklich stören, ohne die kleinen Unvollkommenheiten zu nehmen, die ihn einzigartig machen. Und genau da liegt die Kunst. Teil meiner Berufskrankheit ist aber sicher, dass man manchmal Gesichter analysiert und vor dem geistigen Auge optimiert. Ich persönlich habe keinen speziellen Typ Frau. Ich mag Natürlichkeit. Natürlichkeit ist für mich aber eher ein Charakterzug als ein optisches Feature. Ich mag Frauen, die viel lachen und Sexappeal haben. Das ist doch viel wichtiger als die Farbe der Haare oder die Körbchengröße.

Elle:
Was ist die „Raphael Weilandische“ ästhetische Schwachstelle?

Raphael Weiland:

Mh, du meinst, was ich an mir optisch nicht mag? Ich bin eigentlich ganz zufrieden. Im nächsten Leben dürfte meine Nase gerne etwas kleiner sein.
Aber das bereitet mir keine schlaflosen Nächte und operieren lassen würde ich sie auch nicht.

Elle:
Geld oder Liebe? Diese Frage hast Du vor kurzem mit „beides“ beantwortet. Im Leben kann man nicht immer alles bekommen, was man will und das ist auch gut so. Wo bleiben denn sonst die Träume? Wie sieht es mit den Dingen Deines Begehrens aus? Was tust Du, um die Chancen auf Deine Wünsche zu maximieren bzw. wovon träumst Du?

Raphael Weiland:

Wer sagt denn, dass man nicht alles bekommen kann? :) Ich bin in der glücklichen beruflichen Situation, mich voll verwirklichen zu können.
Ich bin mein eigener Chef, habe tolle Kollegen, tolle Patienten und eine Arbeit, die mich erfüllt. Dafür bin ich dankbar, allerdings ohne vor lauter Dankbarkeit in Stillstand zu geraten. Meine Ziele sind hoch gesteckt. Sie beziehen sich aber eher auf abstrakte Dinge wie familiäres Glück, unternehmerischer Erfolg und Unabhängigkeit. Dafür versuche ich – so abgedroschen es klingt – jeden Tag eine bessere Version meiner Selbst zu sein. Überlegen, was nicht gut lief und es verbessern. Immer in Bewegung bleiben, immer die Nase im Wind haben. Ich habe ein tolles Umfeld, das mich dabei unterstützt und das ich versuche, so gut es geht zu pflegen.

Elle:
„My heart beats for all kinds of businesses in the health sector.“ Könntest Du Dir auch vorstellen in der rekonstruktiven Chirurgie tätig zu sein?

Raphael Weiland:

Nein, tatsächlich nicht. Ich bin sehr glücklich, mit Menschen arbeiten zu dürfen, die in der Regel keinen großen Leidensdruck haben. Ich würde mir das Leid anderer Menschen selbst aufsatteln und könnte Nachts nicht mehr so gut schlafen. Ich versuche auf andere Art etwas zurückzugeben. Zum Beispiel habe ich 2018 ein Charity-Event veranstaltet, dessen Einnahmen an todkranke Kinder gespendet wurden. Das möchte ich möglichst bald wiederholen.

Dafür bin ich dankbar, allerdings ohne vor lauter Dankbarkeit in Stillstand zu geraten.

Elle:
Die nächsten Fragen dann persönlich in Frankfurt bei einem Rosé oder Gin Tonic. Dabei können wir mal über die Narbe an meinem Knie reden und ob der fraktionierte CO2-Laser da zum Einsatz kommen kann. ;)) Aber wirklich nur darüber reden, nach einem Gin Tonic lasse ich Dich nicht mehr an mein Knie!

Ich bedanke mich recht herzlich für die Bereitstellung Deiner kostenbaren Zeit. Es war schön, ein Stück Deiner Persönlichkeit kennenzulernen.

WEBSEITE
https://s-thetic.de/de/frankfurtF

INSTAGRAM
https://www.instagram.com/raphael_weiland/

Salut, je m'apelle Elle, Visionärin. Ich bin "full of energy", freaky und selbstkritisch. Ich lasse immer mein Herz sprechen, versäume aber nie auch den power-button für's Hirn zu pushen. Ich bin kompromissbereit in wichtigen Dingen und denke oftmals in vielen Dimensionen, was aber für Innovationen und spannende Projekte hilfreich ist. Das World Wide Web mit dem unendlichen Informationsfluss von Neuem fasziniert mich immer wieder. Als meine Passion sehe ich Kunst, Design, Fotografie und Musik. Ich bin genauso unkonventionell wie mein Humor. coultique is my wonderland - frei nach Alice - "Das Unmögliche zu schaffen, gelingt einem nur, wenn man es für möglich befindet".

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