UNTER UNS – Gianmarco in Indien! Teil -2-


SADHANA VILLAGE, PAUD, PUNE DISTRICT, MAHARASHTRA
In den nächsten Tagen wurde ich in meine Arbeitsbereiche eingearbeitet. Sadhana Village kümmert sich um geistig behinderte Erwachsene, Schulbildung der Dorfkinder und die Stärkung der Rolle der Frau im ländlichen Indien (da durfte ich aber nicht mitarbeiten – wahrscheinlich hat man bei mir als Mann mangelndes Interesse an emanzipatorischer Arbeit vorausgesetzt – nicht ganz richtig – aber auch nicht ganz falsch ;))

Achso. Erinnert ihr euch noch an mein hart ausgewähltes Gastgeschenk? Die Flasche Jhonny Walker!? Die wollte ich gerade stolz als überreichen, als ich mit den Hausregeln vertraut gemacht wurde: Regeln Nr1: Kein Alkohol auf dem NGO Gelände….mmmm…gottseidank hab ich die Flasche nicht direkt am Anfang rausgeholt.
Sonst wäre die konfisziert worden….Wieder ein Kulturfettnäpfchen.


Also Kurzfassung: Ich hatte einen Acker, den ich mit den “Special Friends” bebauen musste. Bzw. Alleine bebauen musste unter dem munteren aber arbeitsscheuen Bestaunen der “Special Friends”. Ab und zu sollte ich den Dorfkindern Englisch beibringen und zeigen wie man mit dem PC umgeht und ich sollte mir individuelle Arbeiten mit den “Special Friends” ausdenken und einige kleine hausmeisterliche Tätigkeiten erledigen: Das hört sich leichter an, als es in Indien ist, denn wirkliche Werkzeuge hatten wir nicht. Dafür reichlich Klebeband, Phantasie und manchmal ziemlich viel Mut.

Die Dorfbevoelkerung war sichtlich interessiert an dem Treiben des jungen Europäers, der wohl so fehl am Platz schien wie für mich eine Kuh auf der Autobahn. Doch nach anfänglichen, scheuen empirischen Beobachtungsstudien traute man sich an mich heran und begrüßte mich fröhlich.

Verständigungsschwierigkeiten machten es schwierig, doch ich hatte mir fest vorgenommen Hindi zu lernen (Fettnäpfchen: denn die Muttersprache – auf die man sehr stolz ist, ist Marathi). Aber die Inder waren sehr
zuvorkommend und verständnisvoll. Sie konnten es sich wohl denken, dass ich in einer ganz anderen Welt aufgewachsen bin und mich noch an die sehr ländliche Gegend mit Schotterwegen und Motorädern, freilaufenden Hühnern und lächelnen Kindern gewöhnen musste. So etwas kannte ich ja alles nicht aus meiner “Heimat”!

Die Special Friends nannten mich respektvoll “Dada” was (auf Marathi) so viel wie großer Bruder heißt und erfreuten sich daran ihre Späße mit dem verwirrten neuen Volunteer zu treiben! Die Organisation ist in 4 Häuser eingeteilt in denen jeweils 6-12 Special Friends mit je einer Hausmutter und den Volunteers wohnen. Neben mir waren noch 4 deutsche Mädchen in der Organisation, doch unsere Aufgabenbereiche waren so unterschiendlich, dass wir selten zusammenarbeiteten. In Folge dessen fühlte ich mich manchmal ein bisschen einsam. Auch die Tatsache, dass wir nicht zusammen in einem Haus wohnen durften (Junge-Mädchen in Indien ist ein heikles Thema) machte es mir anfangs etwas schwer, denn gerade, wenn man abends Zeit hat braucht man jemanden zum Reden, mit dem man seine Erfahrungen und sein Gewirr im Kopf teilen kann. Letztendlich möchte ich betonen, dass mich diese Erfahrung aber gestärkt hat.


Eine weiteres Verhaltensfettnäpfchen (um nochmal auf mein Lieblingsthema: Junge-Mädchen zu kommen) war, dass ich nicht wusste, wie ich mit dem weiblichen Geschlecht in Indien umgehen sollte. Dass ich nicht wie in Europa Mädchen nachpfeiffen kann, war mir ja klar. Aber was macht man denn dann, wenn man die Aufmerksamkeit eines hübschen Dorfmädchens auf sich ziehen will? In Deutschland betrinkt man sich und schlägt sich dann mit einem potenziellen Rivalen in der Disko, die Romantiker stellen sich unter ihr Fenster und singen, während sie sich selbst mit der Gitarre begleiten (nicht empfehlenswert, denn danach muss man sich auch selbst zum Orgasmus begleiten, denn mit dem Mädchen war es das!) In Indien macht man:…..nichts. Man kann nichts machen, denn die meissten Dorfmädchen sind versprochen (arrangierte Ehen sind immernoch ziemlich häufig in Indien und nur in der Stadt gibt es immer öfter sogenannte “love marriages”. In dem Moment, als ich erfahren habe, dass auch Freundschaften zwischen nicht Verwandten Jungs und Mädchen von allen Dorfaugen argwöhnisch und misstrauisch betrachtet werden, war mir klar: ich muss mich auf ein sehr “einsames” (oder keinSAMES) Jahr einstellen!

Hört sich alles aber viel schlimmer an als es ist! Ich liebe Indien und ich würde jederzeit dorthin zurück. Bharat mera desh hua gaya! Ekdam!

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