Be Coultique – Holger van Dreumel


Holger van Dreumel ist ein Fotograf aus Leidenschaft. Anlegen sollte man sich mit ihm nicht, denn er kommt aus Solingen; dort besann man sich bereits um die 1360 auf die Waffenherstellung, hauptsächlich Schwerter und noch heute ist Solingen das Zentrum der deutschen Klingen-, Messer- und Schneidwarenindustrie. Am besten entspannen kann Holger bei einem Illy Espresso und einem Tarantino Film.



Elle:
Seit über 25 Jahren sind Sie in der Fotografie tätig. Rückblickend, was hat sich verändert, nicht allein auf das Equipment, den technischen Fortschritt bezogen?

Holger van Dreumel:

Als ich mit dem fotografieren angefangen habe war es zwar auch wichtig ein „fotografisches Auge“ zu haben, aber der Schwerpunkt hat eindeutig auf die Beherrschung der Technik gelegen. Also nicht nur bei der Aufnahme, sondern auch im Labor. Bestimmte kreative Mechanismen wie z.B. Photoshop mit seinen ganzen Filtern standen einfach nicht zur Verfügung und der herkömmlichen Dunkelkammer waren technische Grenzen gesetzt die zu überwinden nur durch andere kreative Fähigkeiten möglich war. Wie beispielsweise das weitere verarbeiten der Aufnahmen in Collagen oder die Verwendung von Elementen aus der Malerei.

Alles in allem ein sehr spezialisiertes Wissen, was durch die Digitalisierung eine gewisse Demokratisierung erfahren hat. Heute kann das quasi jeder der eine digital Kamera oder ein halbwegs vernünftiges Handy und einen Computer mit Bildbearbeitungssoftware besitzt. Das führt dazu, das viel mehr Menschen Bilder produzieren, technisch durchaus gut, die aber eine gewisse Kreativität vermissen lassen. Bilder die „hängen“ bleiben, an die man sich erinnert, sind heute entweder auf eine kreative Weise technisch reduziert, z.B. wird künstlich Körnung erzeugt oder Verwacklungseffekte nachträglich in das Bild gebracht um durch diese „Unzulänglichkeiten“ (die man mit der digitalen Technik als „unerwünscht“ eliminiert hat) das Bild interessanter zu gestalten. Oder aber die Aufnahme wird vom Set her extrem Aufwendig gestaltet um entsprechend Aufmerksamkeit zu erregen.

Unterm Strich ist es deutlich schwieriger geworden mit guten und einzigartigen Bildern aus der Masse herauszustechen.



Elle:
Mir fiel auf, dass die Fotografen untereinander weniger das Konkurrenz-Denken haben, sondern auch gerne Anerkennung bei den fotografischen Werken eines Anderen verteilen. Ist dies auch so, weil man einen ähnlichen Blick für die Dinge hat, eine gewisse Seelenverwandtschaft oder sehe ich das falsch?

Holger van Dreumel:

Ich denke wir alle versuchen für einen Weg zu finden und sich weiterzuentwickeln. Wenn einer für sich einen Weg/Methode gefunden hat seine Vorstellungen Bild werden zu lassen, dann merkt man das den Bildern an und das hat einfach Anerkennung verdient. Wir alle Wissen wie schwierig das ist. Eine Zeit lang funktioniert der neue Weg und irgendwann fängt man wieder von vorne an.



Elle:
Ihre fotografischen Werke sind sehr vielseitig. Gibt es eine Art der Fotografie, die sie besonders mögen und bevorzugen?

Holger van Dreumel:

Ich glaube Du spricht von Stil… Fotografisch versuche ich immer den Stil zu finden, der dem Sujet am besten entspricht. Den einen Stil zu haben, wäre für mich langweilig. Wenn mir jemand sagen würde er konnte am Bild erkennen das es von mir ist, dann fange ich an mich zu wiederholen. Dann wird es für mich Zeit mich weiterzuentwickeln. Zur Zeit beschäftige ich mich thematisch mit der Zeit vor 1960 und versuche das Gefühl der jeweiligen Epochen einzufangen. Natürlich mache ich auch noch an anderen Sujets.



Elle:
Eine einfache Frage, die aber schwer zu beantworten ist, wie entwickelt sich der Instinkt, um zu wissen, wann man den Auslöser betätigt?

Holger van Dreumel:

Mit der Zeit entwickelt man ein Gefühl dafür ob man ein gutes Bild vor sich hat. Wenn ich Bilder inszeniere dann habe ich eh eine bestimmte Vorstellung. Allerdings versuche ich in meinen Bildern die Modelle so wenig wie möglich posen zu lassen. Ehrlich gesagt finde ich posen schrecklich. Zu Beginn eines Shoppings versuche ich die Beteiligten in die Richtige, dem Sujet entsprechende Stimmung zu versetzen und lasse mehr oder weniger eine Storyline ablaufen. Ich bewege mich dann im Set und versuche die emotionalsten Momente festzuhalten.



Elle:
Trotz meiner 20 Jahren gefällt mir sehr der Stil der Retro-Serie über die 30/40er Jahre. Die erste Foto-Strecke zeigt auch den historischen Teil des Bahnhofes Nord mit der Dampfeisenbahn „Schluff“, seit 1995 ist die „Schluff“ als „mobiles öffentliches Denkmal“ eingetragen.

Wie schwer ist es diese Retro-Szenen umzusetzen, von der Location bis zum Outfit, alles muss stimmen? Und welcher Aufwand, welche besondere Technik steckt dahinter?

Holger van Dreumel:

Von der ersten Idee bis zum eigentlichen Shooting dauert’s schonmal bis zu einem Jahr. Die passende Location muss gesucht werden und man muss mit den Eigentümern verhandeln. Recht häufig gibt es Versicherungstechnische oder andere rechtliche Probleme welche vorher zu klären sind. Unter Umständen kann es Urheberrechte auch an Gebäuden oder Kunstwerken geben. Dann die passenden Modelle aussuchen und in unserem speziellen Fall auch Make up Artisten die auch noch die alten Frisuren kennen und können. Die richtige Garderobe muss besorgt werden, was in diesem Shooting nicht ganz so einfach war. Deswegen haben wir uns entschieden die Kleider nach alten Schnittmustern mit original Stoffen nachzuschneidern. Ein Foto betrachtet man deutlich länger als ein Frame in einem Film, somit hat der Betrachter auch länger Zeit Unstimmigkeiten zu bemerken. Deswegen haben wir auch für die passenden Accessoires gesorgt, wie z.B. alte Zigarettenschachteln.

Bei den eigentlichen Aufnahmen habe ich versucht das Licht so zu setzen, das die Szenerie wie ein Spielfilm aus der Zeit wirkt.

An solch einem Fotoshooting sind eine Menge Personen, mit viel Herzblut beteiligt, bei denen ich mich an dieser Stelle für die großartige Zusammenarbeit bedanken möchte. Ohne so ein engagiertes Team funktioniert solch ein Fotoshooting nicht.



Elle:
In der zweiten Fotostrecke „Nostalgica Oldtimer“ kann man einen schönen Oldtimer bewundern. Dieser Ford ist eines der letzten sechs Modell in Europa, im fahrbaren Zustand. Der Ford Eifel (nach der Eifel, dem Mittelgebirge im Westen Deutschlands benannt) wurde zwischen 1935 und 1940 hergestellt. Ein Auto zum Träumen! Holger, sind Sie Auto-Liebhaber?

Holger van Dreumel:

Nicht nur Auto’s… ich mag alles schöne und ästhetische. Aber die Auto’s, Automobile, aus der Zeit haben schon noch ein gewisses Flair welches den modernen Auto’s einfach fehlt.



Elle:
Wird es auch weitere Retro-Fotostrecken geben bzw. welche Pläne haben Sie für die nahe Zukunft?

Holger van Dreumel:

Aber sicher. Mit dem Thema bin ich noch nicht durch. Zur Zeit bin ich auf der Suche nach fliegenden Oldtimern…



I’m coultique, because …a professional photographer is an amateur who didn’t quit.

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