Wat wees ick, Keule! – Nicholas Grundy


Nicholas Grundy, geb. 1985, aus Melbourne, Australien, zieht es in die Welt hinaus. So hat er außer in Australien, auch in den USA und China gelebt. Seine Freude an der Fotografie, die er mit Können und Leidenschaft umsetzt, bestimmt sein Fernweh.

Er hat bisher ca. 50 Länder bereist, um sein Portfolio an fotografischen Werken aufzufüllen. Er spricht fließend Englisch, Chinesisch und nun auch Dank mir Deutsch. Nein, Spaß – Nicholas lebt z. Z. in Berlin.



Elle:
Wann hast du das erste Mal einen Fotoapparat in der Hand gehalten und wann war der Zeitpunkt, als du diesen nicht mehr so ohne weiteres aus der Hand legen konntest?
(When was the first time that you held a camera in your hand and at what point did you realise that you wanted to keep photographing and never put your camera down?)

Nicholas:

Meine erste Erinnerung ist eine Wegwerfkamera, die ich mit 8 Jahren benutzt habe. Damals habe ich irgendwie schon auf einem Thema fokussiert und habe nur 24 Bilder von riesigen Spinnen in Nord-Australien gemacht. Meine Mutter hat später die Bilder angeguckt und war ein bisschen erschrocken. Nur als ich ungefähr 21 Jahre alt war habe ich jedoch realisiert, das Fotografie langsam meine größte Leidenschaft sein würde.
(My first memory is of a disposable camera that I used when I was 8 years old. Somehow even then I just focused on one theme and ended up using the entire roll of 24 exposures to photograph massive spiders in northern Australia. My mother saw the photos after they were developed and got quite a shock! It was only when I was about 21 that I slowly realised that photography would become my biggest passion in life.











Elle:
Du hast in Melbourne deine Fotografien in verschiedenen Ausstellungen präsentiert und auch Preise gewonnen, deine Bilder fanden sich auch im Australian Traveller Magazin. Was bedeutet die Fotografie/deine Fotografie für dich und wie schwierig ist es, nebenberuflich dafür Zeit für deine Reisen zu finden?
(Your photos have already appeared in various exhibitions in Melbourne and won prizes there and you’ve had multiple photographs published in Australian Traveller Magazine. What does photography mean to you and how difficult is it to set aside enough time for your travels and photography despite working full-time?)

Nicholas:

Fotografie ist für mich eine Mischung von kreativer Freiheit, Abenteuer (wenn ich zu neuen Zielen reise) und Herausforderungen, wo ich immer noch mehr über Fotografie lernen kann. Während des letztes 12 Monate habe ich viele Schwierigkeiten, um ein Gleichgewicht zwischen Fotografie und meinem ersten Job nach meinem Studium zu finden. Ich habe als Bauleiter/Bauingenieur gearbeitet und musste häufig 60 bis 70 Stunden pro Woche arbeiten. Trotzdem bin ich viele Wochenenden hier in Europa gereist, das bedeutet allgemein weniger schlafen und ein stressiges Leben. Momentan versuche ich ein bisschen ruhiger zu leben, sonst werde ich irgendwann ein richtiges „burnout“ erleben. Als ich noch ein Student war konnte ich zum Glück mit zwei Nebenjobs so viel Geld wie möglich sparen und danach ziemlich oft reisen. Damals hatte ich die Möglichkeit meine Grundkenntnis über Fotografie zu entwickeln und zu erweitern.
(For me, photography is a mixture of creative freedom, adventure (when I visit new and interesting locations) and a series of challenges from which I can continue to learn. Finding a balance between my professional career and photography proved difficult over the past 12 months since taking my first job after university. Working as a site engineer (civil engineer) meant regularly working 60 to 70 hours a week. Despite this, I still travelled around Europe most weekends; however that meant sleeping less and in general leading a stressful lifestyle. At the moment I am curtailing this practice, otherwise I will eventually experience a full burnout by “burning the candle at both ends.” Back in my student days, however, I was lucky enough to be able to work two part-time jobs and save up as much money as possible so that I could travel quite often during the summer holidays. Back then I had the fortunate opportunity to be able to develop my basic photography skills and then slowly build on them.)



























Elle:
„Zu den Zierden Deutschlands gehören seine Städte. Unter ihnen ist Berlin weder die älteste noch die schönste. Unerreicht aber ist seine Lebendigkeit.“ Diesen Spruch sagte mal Richard von Weizsäcker, der von 1984 bis 1994 Bundespräsident war. Wie siehst du Berlin? Wie hast du dich eingelebt, was fasziniert dich an Berlin und wie kommst du mit der Mentalität der Berliner klar?
(„The cities of Germany are the ornaments that adorn it. Of these, Berlin is the oldest and the most beautiful. Its liveliness is unrivalled.“ This quotation comes from Richard von Weizsäcker, the German president from 1984 until 1994. How do you see Berlin? How did you adjust to the city, what fascinates you about Berlin and how did you get used to the mentality of the Berliners?)

Nicholas:

In meiner Meinung ist Berlin eine Stadt voller Freiheit. Es gibt hier zum Beispiel nicht so viel Regeln wie in Australien, die man im Alltag auf der Strasse folgen muss. Die Einwohner sind auch nicht so wertend wie in andere Länder und auch in andere Städte in Deutschland. Man hat komplette Freiheit, mit neuen Ideen zu experimentieren, egal ob das Fotografie ist, oder Musik oder sogar welche Kleider man auf der Strasse tragen will. Als ein Student hatte ich viel Zeit um die ganze Stadt zu entdecken. Ich habe deutliche Unterschiede zwischen den ehemaligen Osten und Westen gesehen, besonders wenn man weiter fährt nach Brandenburg und Sachsen. Hier kann ich nur 5 oder 10 Kilometer östlich von meinem Zuhause fahren und ich habe schon das Gefühl, dass ich Weißrussland fotografiere, nicht das ehemalige Ostberlin. Solche Unterschiede habe ich vorher nirgendwo gesehen. Diese ganze Geschichte fasziniert mich, vor allem weil diese Geschichte heutzutage nach 21 Jahren noch einen großen Einfluss auf der Stadt hat. Wenn ich an der ganze Geschichte denke, verstehe ich warum die Berliner einzigartig sind und deswegen komme ich klar. Ja die Berliner sind manchmal ein bisschen hart, aber am Ende des Tages sind sie meistens sehr nett, offen und hilfsbereit. Wie öfters gesagt, es ist hier in Berlin härter gesagt als gemeint. Weil wir in Australien keine echte Dialekte haben, find ich den Unterscheid zwischen Hochdeutsch und Berlinerisch auch interessant. Ein Arbeitskollege sagte zum Beispiel immer „Janz jenau“ oder „Wat wees ick, Keule!“ Ich musste mich die letzten zwei Jahre in Berlin auch an solche Sachen gewöhnen.
(In my opinion, Berlin is a city full of freedom. For example, there are not as many rules as in Australia that one must follow in their daily lives. The Berliners themselves are also not as judgemental as in other countries and in other German cities. You have complete freedom here to experiment with new concepts and ideas, whether that means experimenting with photography or music or simply just wearing whatever clothes you want when you go out, even if you look like a bit of an idiot. As a student, I had plenty of time to explore right across the city. I experienced clear differences between the former East and West, especially when you head right out to the edges of the city and into Brandenburg and as far afield as Sachsen. Here I can cycle only 5 or 10 kilometres east of my apartment and already get the feeling that I am photographing Belarus, not the former East Berlin. In all of my travels, I have never before seen such massive differences inside a single city. The history here fascinates me, in particular because it still seems to heavily influence the city even 21 years later. When I think about the entire history, I slowly understand why the Berliners are the way they are. Yes, the Berliners are at times a bit harsh, but at the end of the day they are very friendly, open and helpful. As is often said, what the Berliners say is tougher than what they really mean. We don’t have any real dialectical differences in Australia; hence the difference between standard German and the Berlin accent is quite interesting. An old work colleague here always spoke with this accent which is another aspect of the city that I’ve had to get used to over the past two years.)











Elle:
Ich habe im Artikel die Fotografien von Berlin verwendet, deswegen möchte ich auch jetzt auf das abwechslungsreiche Portfolio deiner Webseite hinweisen. Was sind die nächsten Länder, die du geplant hast und wann geht es los?
In the article I have only used your photos of Berlin, therefore I would like to also bring attention to your varied portfolio that can be found at your website. Which countries do you plan on visiting next and when?

Nicholas:

Also der aktueller Plan ist Ukraine in September, Bulgarien in Oktober und hoffentlich Georgien, Armenien und Aserbaidschan im November. Alles ist aber von dem Visum abhängig und Georgien ist momentan immer noch sehr schwierig für Fotografen. Vor zwei Wochen wurden zum Beispiel drei Fotojournalisten in Tiflis verhaftet, weil die Regierung dachte, dass sie alle russische Spione wären. Obwohl der Kalte Krieg schon längst in Berlin vorbei ist, dreht es leider noch in andere Länder. Das habe ich selbst schon 2010 gesehen, als ich in Trans-Dniestr war, ein verkanntes Land zwischen Moldawien und Ukraine.
Well, the current plan is to visit Ukraine in September, Bulgaria in October and hopefully still make it to Georgia, Armenia and Azerbaijan in November. Everything depends on visas though so I will just have to play it by ear. Georgia is also a bit of a risk at the moment for photographers, especially when you consider that only two weeks ago a group of three photojournalists were all arrested on charges of spying for Russia. Although the cold war ended long ago in Berlin, it is still playing out in less fortunate parts of the world. I managed to see this first-hand last year when I was in Trans-Dniestr, an unrecognised land wedged between Moldova and Ukraine. Someday I will also make sure to reach my dream photographic-destinations, namely Burma (Myanmar), Tibet and China’s Xinjiang Province, although all three areas are also a bit dangerous for photographers.









Elle:
Ich danke dir für deine fotografischen Impressionen von Berlin und für das Interview und wünsche dir viel Erfolg und lieben Dank im Voraus für die Postkarten des jeweiligen Landes, das du dann gerade bereist. :)
Thanks for your time and for sharing with me your photographic impressions of Berlin. Good luck with your future work and thank you in advance for the postcards from the countries that you will soon be visiting.

Nicholas:

Ich bedanke mich und na klar schicke ich dir ein paar Postkarten, wenn alles in November klappt.
Thank you also and yes, of course I will be sending a few postcards your way once everything works out in November.

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