Manu Schwingel – Helmpflicht beim Fotografieren?

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Manu Schwingel wurde 1976 im Freistaat Bayern, in der schönen Oberpfalz geboren. Bereits in seiner Jugend entwickelte sich die Leidenschaft zur Fotografie und die Kamera wurde sein ständiger Begleiter. Beruflich ging es in Richtung Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Tourismus und Hotelerie. Da es ihn schon immer in die Ferne zog, arbeitete er ab dem Jahr 2000 mehrere Jahre in der Schweiz sowie auch in Ägypten. Weitere Stationen waren Großbritannien, Hong Kong, Thailand und Malaysia.

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In wärmeren Gefilden fühlte sich der ambitionierte Fotograf besonders wohl und so entschied er sich 2008, wieder in sein Traumland – und das schon seit seiner Kindheit, nach Ägypten zurückzukehren, sich als Fotograf selbständig zu machen und seine Leidenschaft beruflich umzusetzen. Er arbeitet seitdem mit internationalen Unternehmen, Agenturen und anderen Fotografen zusammen.

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Elle:
Du hast viele Länder bereist und auch verschiedene Kulturen kennen gelernt. Welche Erfahrungen hast du gemacht und gab es für dich ein besonderes Erlebnis, das in deiner Erinnerung fest verankert ist?

Manu Schwingel:

Wenn man viele unterschiedliche Länder bereist, dort arbeitet und lebt, sollte man sich den „Gepflogenheiten“ des jeweiligen Landes anpassen. Das ist für mich Regel Nr.1. Die verschiedene Kulturen, Religionen und deren Gewohnheiten muss man immer respektieren und akzeptieren. Man darf NIE vergessen, dass man im Ausland ein „Ausländer“ ist. Es heißt nicht umsonst: „Andere Länder, andere Sitten“. Um ein Land und deren Menschen und Kultur kennenzulernen ist es wichtig, Kontakte zu pflegen, aufzubauen und zu halten und sich nicht in einer Enklave abzuschotten. Man merkt sofort, wie herzlich, aufrichtig und hilfsbereit „verschiedene Kulturen“ sind.


Mein einschneidendeste und schlimmste Erlebnis war sicher die Revolution und der Sturz des Präsidenten in Ägypten im Jahr 2011 beim sogenannten „arabischen Frühling“ in Nordafrika. Man wusste nie, wie sich der andere Tag entwickelt. Man ist mitten drin und kann nur zusehen, wie Menschen für Freiheit kämpfen und kann nicht wirklich helfen. Der Zusammenhalt in diesen unbeschreiblichen Wochen war einfach nur gigantisch. Jeder half jedem – vor allem moralisch.


Es gibt natürlich auch lustige Situationen, wie z.B. in Hong Kong, wenn man fernab vom „Touristenstrom“ in ein Restaurant geht, dort kein Wort Englisch gesprochen wird und sich die Speisekarte in ein Buch mit Sieben Siegeln verwandelt, da man nichts lesen kann. Es entwickelt sich sofort eine Art Hilflosigkeit und man zeigt einfach auf das, was am meisten „Hieroglyphen“ hat. Schlussendlich ging die Bedienung mit einem Grinsen im Gesicht und das Bestellte war für mich nicht annähernd „Ente Süss-Sauer“, sondern ein kulinarisches Disaster mit einem undefinierbaren Beigeschmack. Was es wirklich war, will ich bis heute nicht wissen.

Elle:
Das kann ich mir gut vorstellen, dass du viele unterschiedliche Impressionen sammelst, ich hoffe weiterhin überwiegend schöne. Bei der Speisekarte hätte ich „tierische“ bedenken gehabt, aber ich glaube, diese Bedenken rufen wir lieber nicht wieder hervor.

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Elle:
Du fotografierst hauptsächlich im Bereich Wassersport mit dem Schwerpunkt Kitesurfen und Windsurfen. Bist du selbst Wassersportler und ist es dann einfacher in dem Bereich das perfekte Foto zu schießen ?

Manu Schwingel:

Um ganz ehrlich zu sein. Es ist für alle Kiter dieser Welt sicherer, wenn ich nicht auf dem Wasser bin mit dem Kite. Nach mehreren Versuchen von Instructoren mir das Kiten beizubringen, einigten wir uns irgendwann auf „talentfrei“. Das Windsurfen jedoch entpuppte sich als die beste Alternative auf dem Wasser für mich.

Aber es ist tatsächlich so, dass man sich mit dem Sport identifizieren muss, um bessere Bilder zu schießen. Man sollte die verschiedenen Sprünge und deren Ausführung kennen. Denn nur dann weiß man auch, auf welchen Moment es im Bild ankommt. Da ich im Jahr über 300 Tage an Kite- und Windsurfbasen verbringe und mit den „Dudes“ zusammen bin, bin ich mir sicher, dass ich in der Theorie die gängigsten Sprünge kenne und weiß, auf was es ankommt. Das hilft ungemein bei der Umsetzung für spannende Bilder.

Elle:
Du hast auch im Bereich People-Fotografie gearbeitet und viele Portrait und Modelshootings für Sedcards und Books durchgeführt. Wie kam es, dass du dich auf die Sportfotografie spezialisiert hast ?

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Manu Schwingel:

Grundsätzlich finde ich die People-Fotografie sehr interessant und spannend. Wenn man es genau nimmt, ist es eine sehr „intime“ Fotografie. Nach Jahren fasste ich dennoch den Entschluss, dass Actionfotografie mir zusätzlich einen Adrenalinschub gibt. Auch die Nachbearbeitung der Bilder beschränkt sich auf ein Minimum und spart viel Zeit. Da auch von Sportlern Portraits erstellt werden, bin ich natürlich nicht ganz „raus“ aus der Portrait- und Commercialfotografie. Auf ganz speziellem Wunsch biete ich diese Shootings natürlich noch an.

Elle:
Bei deiner Arbeit steht dir das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Hals. Gab es bei dir schon brenzlige Situationen oder sogar Unfälle?

Manu Schwingel:

Nennen wir es einfach „Nahtoderfahrungen“. Wenn man mal wieder zwischen den Leinen steht, die sich wie ein Messer in die Haut schneiden, weil ein Rider seinen Kite gnadenlos runtercrasht, oder ein „missglückter“ Sprung so endet, dass jemand 1 Meter vor dir mit voller Wucht einschlägt, dann steigt das Adrenalin auch als Fotograf. Unfälle gab es nur einen, den ich als Unfall bezeichne. Seitdem trage ich über meinem linken Auge eine schöne Narbe. Man muss aber erwähnen, dass es ein kalkulierter Unfall war. Für spezielle Aufnahmen braucht man einfach einen speziellen Winkel. Und Mutter Natur hat dafür gesorgt, dass der Wind genau in diesem Moment kurz nicht so war, wie er sein sollte. Dann tat es einfach einen riesen Schlag und das Blut verteilte sich mehr und mehr über mein Gesicht. Deswegen gibt es jetzt eine Helmpflicht bei extremen Aufnahmen.

Elle:
Ein Sport mit hohem Risiko und auch hohem Risiko für dich, als Fotografen. Das hört sich wirklich nicht schön an mit dem Unfall, bitte ziehe für die nächsten Aufnahmen wirklich einen Helm auf!

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Elle:
Was ist für dich persönlich als Fotograf der gravierende Unterschied zu deinen Sportaufnahmen?

Manu Schwingel:

Ob es jetzt einen Unterschied gibt, muss der Betrachter selbst entscheiden. Selber lege ich viel Wert darauf, dass der Spaß, die Action und die Power beim Kite- und Windsurfen gezeigt wird. Die perfekten Bedingungen bei „Surfmotion“ in der Soma Bay ermöglichen es, ein unbeschreibliches Farbspiel von Wasser, Himmel und den Bergen im Hintergrund umzusetzen. Bilder im Bereich Wassersport leben auch von den unbeschreiblichen Farben der Natur.

Elle:
Soma Bay ist ein exklusives Reiseziel am Roten Meer, ganzjährig Sonnenschein, angenehme Temperaturen, wunderschöne sandige Strände mit spektakulären Tauchplätzen, einfach ideal für sämtliche Wassersportarten. Du bist hauptsächlich in der Soma Bay und hast dieses Jahr unter anderem schon mit den mehrfachen German Champion, Sabrina Lutz und Florian Gruber, an einer Fotostrecke für die KTE ( KiteSurf Trophy Europe) und Kitesurf Magazinen gearbeitet.

Manu Schwingel:

Mit Sabrina und Florian hatte ich schon letztes Jahr ein Shooting und es ist purer Spaß mit ihnen zu arbeiten. Sie strahlen so viel Freude aus und agieren vor der Kamera als würden sie geboren sein dafür. Selbst bei technisch schwierigen und anspruchsvollen Sprüngen lächeln sie noch in die Linse.


Die Soma Bay selbst verbindet alles das, was man für Bilder benötigt. Ob es nun die perfekten Bedingungen im Bereich Wassersport sind, oder auch die angeschlossenen, exclusiven und luxuriösen Hotelanlagen. Mein „Home-Spot“ für Aufnahmen bei „Surfmotion“ zieht genau deswegen jährlich die Elite im Kite- und Windsurfen an, ob nun zum Trainieren oder zum Shooten. Man muss dieses Revier einfach sehen und kennenlernen.

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Elle:
Wo und wie siehst du dich in 10 Jahren?

Manu Schwingel:

10 Jahre ist für mich noch zu nahe, da ich dann sicher noch hart weiterarbeite. Aber in 25 Jahren könnte ich mir gut vorstellen, dass ich mit meiner noch nicht vorhandenen Familie in einer Hängematte an einem weißen Strand, gesäumt von Kokospalmen liege und den Ausblick auf das türkisfarbene Meer geniese. Ein einfaches Leben (dass ich bevorzuge) führe und abends zurück in unsere Bambushütte gehe. Das Fotografieren wird dann sicher noch immer eine große Rolle spielen, aber „gearbeitet“ wird dann nur, wann ich will.

Elle:
Das hört sich nach einer guten Vorstellung von der Zukunft an, dabei drücke ich dir fest die Daumen!

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Elle:
Du hast eine ganz besondere Lebens-Philosophie?!

Manu Schwingel:

NEIN… denn die Lebensphilosophie ist „Philosophie“ und die ist nicht rational und realistisch. Und man sollte immer realistisch denken. Ist es jetzt doch wieder eine Lebensphilosophie ???

Elle:
So ein kleinwenig schon 😉 Dankeschön für das ausführliche Interview und die Einblicke in deine Welt!

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