My name is Frauke, but you can call me Flauke


Frauke Thielking wurde 1977 in Minden geboren und absolvierte 1999 ein einjähriges Foto-Praktikum in Bielefeld. Während ihres Studiums in Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der FH Dortmund war sie 2004 in ein interessantes Fotografie-Projekt in Peking und Shanghai integriert.

Heute arbeitet die diplomierte Designerin als freischaffende Fotografin und Künstlerin in Lübbecke (und im Internet). Mehrere Auszeichnungen und Referenzen wie Focus, Spiegel online, Deutsche Post, Brigitte Woman, GQ, Textilwirtschaft, Frankfurter Rundschau etc. bezeugen ihr Talent. 2011 war sie Finalistin beim Internationalen Fotowettbewerb „One life“ in NYC, USA.



Elle:
Welche Erfahrungen konntest du in Peking und Shanghai sowohl fotografisch als auch im Umgang mit einer anderen Mentalität gewinnen?

Frauke Thielking:

Das Projekt „My name is Frauke, but you can call me Flauke“ ist im Rahmen eines akademischen Austausches mit der Tsinghua University in Peking und der Fachhochschule Dortmund entstanden. Die beteiligten Studenten hatten die Aufgabe, eine Arbeit zum Thema „Two Cultures“ zu realisieren. Ich hatte die Idee, mich selbst in unterschiedliche Berufsgruppen zu integrieren und mit Hilfe authentischer Bekleidung schlüpfte ich für eine begrenzte Zeit in die Rolle einer Kellnerin, eines Bauarbeiters, eines Touristenschiffs-Stewards, einer High School-Sch¸lerin und eines Security Guards. Diese „Verwandlungen“ gingen recht schnell. Nachdem eine Genehmigung zum Fotografieren vorlag, habe ich mir relativ zügig die jeweilige Uniform angezogen, den Bildausschnitt für das Foto festgelegt, die Gruppe angeordnet und mich zu der Gruppe gesellt. Ausgelöst hat das Bild dann ein Kommilitone. Die Chinesen waren sehr kooperativ und neugierig, was das Projekt anging und ich glaube, sie fanden es auch ganz witzig. Grundsätzlich glaube ich, dass Freundlichkeit und ein echtes Interesse am Menschen zum Gelingen dieses Projektes beigetragen hat. Ich bin der Meinung, dass man viel erreichen kann, wenn man mit seinem Gegenüber respektvoll umgeht und eigentlich spielt die unterschiedliche Mentalität und Nationalität dann nur eine untergeordnete Rolle – letztendlich sind wir ja alle „nur“ Menschen, und ein Lächeln und Freundlichkeit wird wohl von allen verstanden.



Elle:
Wenn man erst später den Namen des Foto-Projekts liest, könnte man fast davon ausgehen, dass es sich bei den beiden Personen um die ein und selbe handelt, nur eben in einem anderen Alter, in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens.

Das Projekt Generation wirft die Frage auf, wie ähnlich sich Eltern und Kinder sind. Durch einen einheitlichen Hintergrund und ohne störende Elemente, auch die Kleidung, die das Auge ablenken könnte, fällt weg, werden die Ähnlichkeiten der dargestellten Mütter und Töchter, Väter und Söhne besser sichtbar.

Wie sind Sie bei diesem Projekt vorgegangen, wie haben Sie Ihre Auswahl getroffen?

Frauke Thielking:

Ich habe Freunde und Bekannte gefragt, ob sie Lust hätten, sich mit ihrer Mutter bzw. ihrem Vater von mit fotografieren zu lassen. Ich habe natürlich schon vor dem Fotografieren gesagt, dass die Bilder recht „nackt“ werden, zum einem wegen der fehlenden Kleidung, zum anderen hatte ich gebeten, relativ pur und ohne großes Make-up zum Fototermin zu kommen. So habe mich sehr gefreut, dass ich Zusagen bekommen habe, da nicht jeder den Mut hat, sich entblösst und ungeschminkt vor der Kamera zu zeigen. Solche Art von Porträts erfordern Vertrauen, und meist habe ich das Glück, dass ich schnell ein Vertrauensverhältnis aufbauen kann, da ich schnell über wesentliche Dinge sprechen kann und klarmachen kann, worum es mir geht. Ich bin nicht der Typ von Fotografin, der anderen sagt: „Komm Süße, jetzt zeig mir deine Schokoladenseite und sag „CHEESE“! Mir geht es nicht darum, Menschen von ihren „besten“ Seiten zu zeigen, sondern ich finde es ganz wichtig, gerade bei relativ nahen Porträts eine gewisse Authentizität zu bewahren. Dazu gehört auch und gerade das Beibehalten von Falten, Hautrötungen etc. Wer sich selbst über „hässliche“ Falten etc. mokiert, sollte sich Gedanken über sein Selbstbild machen bzw. sich fragen, woher diese Falten denn wohl kommen mögen. Idealisierte Bilder – wie sie ja häufig in der Werbung zu sehen sind – finde ich meist ganz grauselig oder kitschig.



Elle:
Das Foto-Projekt Doppelgänger zeigt dem Betrachter von allen Seiten die beiden vom Typ her sehr ähnlichen Personen, Hannes & Timo, Volker & Volker, sowie Andreas & Martin. Wäre bei Volker & Volker keine Seitenansicht/Profil zu sehen, so hätte man wirklich von einer identisch gleichen Person, eventuell eineiigen
Zwillingen ausgehen können.

Frauke Thielking:

Das Motiv des Doppelgängers wurde und wird in der Bildenden Kunst und Literatur ganz unterschiedlich bearbeitet – scheinbar übt dieses Thema eine Faszination auf Viele aus.


Ich finde es sehr witzig und verblüffend, wie ähnlich sich Menschen sein können, obwohl sie nicht miteinander verwandt sind oder bekannte Persönlichkeiten optisch imitieren. Man stellt sich beim Anblick der Bilder vielleicht auch selbst die Frage: Gibt es jemanden, der so aussieht wie ich? Und wenn ja, gibt es noch weitere Parallelen? Philosophisch betrachtet stellt sich die Frage der Einzigartigkeit des Menschen, welche oftmals bei meinen Arbeiten im Vordergrund steht.



Elle:
Auch in ihren anderen künstlerischen Arbeiten werden die Menschen oftmals in ihrer Ähnlichkeit, mit gleichen Haltungen/Habitus dargestellt. Geschieht dies unbewusst, ist es Zufall oder fasziniert dich diese Darstellungsform?

Frauke Thielking:

Ich mag und spiele sehr gerne mit ornamentalen Strukturen, Mustern, Farben und Symmetrien. Inhaltlich dreht es sich um Themen wie „Uniformität“, „Individualität“, „Mimikry“, „Normen“, „Ordnung“ und „Chaos“. In meinen inszenierten Gruppenbildern habe ich mich mit Prozessen menschlicher Orientierung beschäftigt, und auch dort spielen Muster natürlich eine große Rolle!



Elle:
Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Frauke Thielking:

Ich würde sehr gerne für eine gewisse Zeit ins Ausland gehen – mich zieht es nach Amerika. Ich war selbst noch nie in New York, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich dort mal hin muss. Auch Vancouver und San Francisco reizen mich als Städte. Wenn ich zurückblicke hat mir jeder längere Auslandsaufenthalt unglaublich viel gebracht und ich wüsste nicht, warum ich nicht wieder davon profitieren sollte. Ein solcher Schritt erfordert natürlich etwas Organisation und Geld – daran arbeite ich – unter anderem! Bitte Daumen drücken! :)


Elle:
Dankeschön, Frauke ! Wir drücken die Daumen und freuen uns auf weitere fotografische Werke.


Mehr bemerkenswerte Werke von Frauke Thielking auf ihrer Webseite.

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