Frank & Steff – Don’t touch my universe!


Frank Bayh & Steff Rosenberger-Ochs sind ein festes und eingespieltes Team aus Stuttgart. Ihren Schwerpunkt haben sie auf People-, Fashion- und Werbefotografie gesetzt, sind aber auch ebenso für Stillife- und Produktbilder prädestiniert. Bei ihren Modestrecken nimmt man nicht nur die Professionalität, sondern auch die besondere Liebe zur Kunst wahr.

Elle:
Seit 2004 arbeiten Sie als Team im eigenen Foto-Studio. Wie haben Sie sich kennengelernt und wie hat sich ihre Zusammenarbeit von damals bis heute entwickelt?

F u. S:

Kennen gelernt haben wir uns vor weit über 15 Jahren durch einen gemeinsamen Freund. Wir waren damals beide schon selbsständig fotografisch tätig, machten aber jeder sein Ding und waren auch der Überzeugung Fotografie, und vor allem Fotokunst, funktioniere nur als One man show. Dennoch haben wir, mehr zum Spaß an der Freude, schon damals begonnen gemeinsam Projekte zu fotografieren. Dann war der Kontakt für mehrere Jahre mehr oder minder abgebrochen, bis wir uns dann mit geänderter Grundeinstellung 2004 fest zu dem Duo zusammengeschlossen haben, das wir heute sind, eine Art Fotograf in zwei Körpern.



Elle:
Arbeiten Sie stets gemeinsam an den Projekten und erstellen gemeinsam ein Konzept oder ist das vielleicht bei einer entsprechenden Auftragslage auch mal anders der Fall? Wird dann dennoch die fotografische Aufgabe miteinander besprochen? Gibt es auch mal eine gegensätzlich Meinung oder ergänzen sie sich grundsätzlich?

F u. S:

Wo frankundsteff draufsteht, ist auch frankundsteff drin, da gibt es keine Mogelpackung. Will heissen, wir entwickeln und realisieren alle Jobs und Projekte gemeinsam. Das haben wir so begonnen, das hat sich so bewährt und das ist gar nicht mehr anders denkbar, und der Erfolg scheint uns Recht zu geben. Das Hin- und Herreichen der Kamera während eines Shootings wie es für uns ganz normal geworden ist, scheint wohl auch für Fotografenduos eine sehr exotische Arbeitsweise zu sein. Uns gibt es aber die Freiheit mit mehr Blickwinkeln auf das Objekt zu schauen. Dennoch ist am Ende nicht mehr nachvollziehbar, wer nun genau welches Bild gemacht hat. Das spielt für uns auch gar keine Rolle, wir verstehen unsere Arbeit als ein ganzheitlich gemeinsames Ding. In der Planungsphase für ein Projekt gibt es hingegen natürlich auch mal verschiedene Ideen oder Ansätze, im Dialog entwickeln wir dann recht schnell das tatsächliche Konzept und lassen stets noch genügend Raum für spontane Einfälle, die während der Umsetzung hinzukommen können.



Elle:
Beim Recherchieren fielen mir auch einige gemeinsame Fotos auf und deren Umsetzung mit viel Witz und Humor. Da muss einfach die Wellenlänge stimmen. Ist dieser gleiche Humor sehr wichtig für ein entspanntes gemeinsames Arbeiten?

F u. S:

Der gemeinsame Humor ist sozusagen der Grundpfeiler unserer Arbeit. Ohne ihn kämen wir niemals zu einem Konsenz, nie zu einem gemeinsamen Konzept. Es ist uns wichtig auch ernste Themen mit einer Vielschichtigkeit und eben dieser Priese Humor umzusetzen. Für uns darf auch ein Bild mit einem sehr ernsten Unterton ein klein wenig zum Schmunzeln verführen. Wir glauben das unterstützt die positive Wahrnehmung einer Fotografie. Das mit den gemeinsamen Fotos ist so ein kleiner Spaß, den wir uns gönnen. Es ist viel befriedigender, wenn auch beim Testen und Ausprobieren Ergebnisse herauskommen, an denen man sich erfreuen kann. Manchmal landen so entstandene Aufnahmen klammheimlich in den Sets und Props anderer Projekte, eigentlich fast nur zu unserer eigenen Belustigung.



Elle:
Um ein komplexes Bild oder eine Serie zu realisieren, ist es wichtig auch auf die kleinsten Details zu achten. Was bedeutet für Sie Perfektion und Fotografie auf hohem Niveau?

F u. S:

Nunja, Perfektion und Fotografie auf hohem Niveau setzt natürlich einen souveränen Umgang mit der Technik voraus. Allerdings ist diese Beherrschung der Technik nur die handwerkliche Basis für ein gutes Foto oder eine gute Strecke. Weit wichtiger sind uns die Idee hinter, und die Botschaft in einem Bild. Wir legen sehr viel Wert auf die Ausstattung unserer Sets, auf die Auswahl der Models und des richtigen Teams, hierin liegt die Liebe zum Detail. Ein technisch perfektes aussageloses Foto ist und bleibt langweilig, während ein tolles, inhaltsgeladenes, emotionales und witziges Bild trotz technischer Mängel immer auffällt, anspricht und berührt.



Elle:
Sie konnten sich bei dem Sony World Photography Awards 2011 zweimal qualifizieren. Es ging einmal um Architektur “Die Entwicklung neuer Stadtquartiere im Herzen der City” und zwar auch um das umstrittene Bauprojekt unterirdischer Bahnhof Stuttgart ( Thema “Stuttgart 21″). Zum zweiten um die Bilder Ihrer prämierten Serie “Don´t touch my universe”. Dem Model sind Schönheit und Lifestyle wichtiger als die Katastrophen, die vor ihrem Hotelzimmer passieren. Bei den Bildern sind Sie bei den Katastrophen im Hintergrund selbst als Opfer zu erkennen.

F u. S:

Da haben wir wieder unsere kleine Marotte der einmontierten Selbstportraits. Was früher einmal mit dem Mangel an geeigneten Models begann, hat sich heute zu einer Art running Gag entwickelt. Bei “Don´t touch my universe” sind auch noch Stylistin und Visagistin mit als Opfer von der Partie, und man könnte sich sogar die Frage stellen, ob nicht der in die Höhe gehaltene brennende Fön Auslöser für den dargestellten Waldbrand sein könnte. Wir sind der Überzeugung, dass solche Details und Kleinigkeiten einem Bild die Würze geben. Es sind die kleinen lustigen Momente, die das Herz erfreuen, ohne die Ernsthaftigkeit des Bildthemas, hier der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber Natur und Umwelt, zu verletzen.

Mit der Serie zu Stuttgart 21 haben wir unser angestammtes Terrain der People- und Modefotografie verlassen und uns auf das Parkett der, fast schon konzeptionellen, Architekturfotografie gewagt. Wenn gleich wir die Bildstrecke auch im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Bahnprojekt gezeigt haben, war es für uns beim Erstellen der Serie wichtig sachliche, “politisch neutrale” Bilder zu machen. Die fantasievollen Architekturen der Zelte der Stuttgarter Parkschützer boten uns dazu die richtigen Motive. Heute ist das Zeltcamp im Stadtpark bereits Vergangenheit, aber die Bildstrecke hält die Erinnerung daran, fast schon ein wenig dokumentarisch, am leben.



Elle.
Gibt es bei Ihnen auch eine Arbeitsteilung, dass der eine mehr oder weniger für die Fototechnik zuständig ist und der andere z. B. für das Szenarium?

Frank:

Naja, vielleicht bin ich ein wenig versierter in der Bedienung von Photoshop. Das bezieht sich allerdings tatsächlich nur auf die rein handwerkliche ausführung der Retouchen. Der gesammte kreative Prozess in der Nachbearbeitung, welcher bei manchen unserer Arbeiten eine ganz zentrale und entscheidende Rolle spielt, entsteht, wie alles andere auch, zu 100% gemeinsam.



Die Einhorn Strecke ist quasi ein einziges Panoramabild, das in 9 quadratische Einzelbilder zerschnitten ist.

Elle:
Gibt es für Sie beide auch einen Ausgleich zur kreativen Arbeit? Vielleicht Sport oder ein anderes Hobby?

F u. S:

Gewissermaßen ist für uns Fotografie das Hobby zum Beruf gemacht, und es gelingt uns glücklicherweise nach wie vor die Freude und die Begeisterung dafür aufrecht zu erhalten. Das liegt sicherlich hauptsächlich daran, daß wir zu zweit arbeiten, wir uns so gegenseitig anstacheln und für Ideen begeistern können, was dann zur Durchführung freier Projekte führt, die wir sicherlich einzeln niemals angegangen wären. Die Bewahrung dieses fotografischen “Spieltriebs” ist unser Motor und wir wissen um unser Glück in uns gegenseitig einen gewitzten, ausdauernden und fordernden Spielpartner gefunden zu haben.



Elle:
Herzlichen Glückwunsch nachträglich für die Awards und vielen herzlichen Dank für das Interview. Weiterhin viel Erfolg!

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