Florian Einfalt – Desert Change


“Desert Change” ist ein freies, konzeptionelles Semester-Projekt der (damals CGI-Studenten) Thomas Kapzan und Florian Einfalt in Zusammenarbeit mit dem renommierten Fotostudio Staudinger + Franke, Wien und lenkt einen kritischen Blick auf den Einfluß unserer Gesellschaft auf Umwelt, Wirtschaft, Energie und die Rolle des Kapitalismus.

Der 27-jährige Digital Artist Florian Einfalt studierte CGI (Computer Generated Imaging), Fotografie und Typografie bei Prof. Michael Jostmeier (CGI) an der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg.

Im Februar 2011 habe ich auf Coultique “Stereotypen – Auf der Bühne des Lebens” vorgestellt und in der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Florian Einfalt absolvierte seinen Abschluss an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule für angewandte Wissenschaften Nürnberg im Sommer 2011 mit dem Projekt “Lighting Styles for Automotive CGI” und lebt seit dem in London. Er arbeitet dort für Saddington Baynes, einem Creative Production Studio mit ca. 50 Mitarbeitern.

Elle:
Mit einer ganzen Reihe von verschiedenen Werkzeugen und Photoshop lassen sich effektiv Bilder gestalten. Was fasziniert dich besonders an der Erstellung dieser aufwändigen Art-Works?

Florian Einfalt:

Für mich ist das Spannende an CGI und Retouching sicherlich die fast 100%-ige Gestaltungsfreiheit, ganz ähnlich zur Malerei. Dies ist durch den Wegfall von fotografischen und physikalischen Einschränkungen gegeben, obwohl wir natürlich trotzdem darauf achten die gestalterischen Regeln der Fotografie nicht zu verletzen um letztendlich ein visuell plausibles Bildergebnis zu erhalten. Dies ist für mich auch der Schlüssel zu “gut gemachtem” CGI, phantastische Bildwelten die aber visuell stets plausibel erscheinen.



Elle:
Wie wichtig ist es für dich als Bildbearbeitungsprofi auf das kleinste Detail zu achten?

Florian Einfalt:

Bildbearbeitung ist ja auch nur ein kleiner Teil des CGI-Prozesses.

Unser Auge für’s Detail ist aber in fast allen Arbeitsschritten gefragt. Dies beginnt beim Modellieren der 3D-Geometrie (die nicht zu perfekt aber auch nicht künstlich aussehen darf), bei der Materialdefinition (dem sog. “Shading”), dem Beleuchten unserer virtuellen Objekte und dann schlussendlich, nach dem Erzeugen des Bildes aus den 3D-Daten (dem sog. “Rendering”), in der Post-Produktion in Photoshop. Hier wird den Bildern ein bestimmter Look verliehen und Tonwerte und Farben so angepasst, dass wir ein visuell ausgewogenes Bildergebnis erhalten. Dies ist aber nur der Fall wenn in allen vorangegangenen Schritten präzise gearbeitet wurde.



Elle:
In welchen Schritten wurde “Desert Change” umgesetzt?

Florian Einfalt:

Abgesehen von den gerade genannten technischen Arbeitsschritten stand für uns natürlich die inhaltliche und formale Gestaltung der Bilder im Vordergrund. Die Zusammenarbeit mit Andreas Franke von Staudinger + Franke stellte sich als sehr produktiv heraus. Zunächst machte Andreas den Vorschlag Wüstenbilder, die er auf diversen Arbeitsreisen überall auf der Welt fotografiert hatte, zu verwenden. Für uns war dies die seltene Möglichkeit mit Bildern zu arbeiten, die für uns nur sehr schwer zu fotografieren gewesen wären.

Mit einer Auswahl als Basis machten wir uns an die inhaltliche und formale Konzeption die wir dann Andreas und unserem Professor Michael Jostmeier vorstellten. Für Thomas und mich stand hierbei im Fokus die Bilder nicht zu sehr zu stilisieren sondern eher wie Schnappschüsse, jedoch mit extrem ungewöhnlichen Inhalt, wirken zu lassen. Ausserdem wollten wir den Betrachter im Unklaren ob der Gründe für das eben Gesehene lassen, also keine Antworten auf die Frage “Warum das?” geben und jeden Betrachter zum Nachdenken anregen. So kann sich jeder Betrachter die Frage nach dem “Warum?” individuell selbst beantworten. Im letzten Schritt der Konzeption gestalteten wir die Auswahl, Platzierung und Ikonographie der Objekte im Bild, die ja starken Symbolcharakter aufweisen müssen damit die Bildserie ihr Ziel überhaupt erreichen kann.

Nachdem das Konzept von Prof. Jostmeier und Andreas abgesegnet war, ging es für uns an die eigentliche Produktion, die ca. ein-einhalb Monate in Anspruch nahm. Nach mehreren Korrekturrunden wurde die Serie dann ausbelichtet und für die Präsentation an der Hochschule gerahmt.



Elle:
Die fortschreitende Wüstenbildung steht für einen Klimawandel, der durch den Eingriff des Menschen in unser Ökosystem entsteht. Die Aussage der Bilder könnte man nicht treffender darstellen. Das Ziel der Bildaussage ist auch ohne Text erreicht. Was empfindest du persönlich angesichts der Tatsache, dass unsere Welt langsam aus den Fugen gerät?

Florian Einfalt:

Ich glaube, Veränderungen (auch in dieser Größenordnung) sind ganz natürlich und unaufhaltsam, die Frage ist nur ob wir angemessen darauf reagieren. Dies ist meiner Meinung nach vor allem ein politisches Problem, aber auch jeder einzelne kann für sich eine Entscheidung treffen wie er oder sie reagieren möchte, in der Masse könnte da sicherlich einiges bewegt werden. “Müssen Lebensmittel um die halbe Welt fliegen?”, “Muss ich wegen 500m ins Auto steigen?”, “Brauche ich jeden Tag ein Vollbad?” etc.

Im Allgemeinen würde ich aber sagen, uns würde manchmal ein bisschen mehr Demut vor der Natur ganz gut tun.



Elle:
Das ist wahr und damit ist jeder von uns angesprochen und gefordert!

Herzlichen Dank für die Ermöglichung des Artikels und weiterhin viel Erfolg!

Florian Einfalt:

Danke!

Florian Einfalt Webseite

Thomas Kapzan Webseite

Staudinger + Franke Webseite 

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