Be Coultique – Kilian Schönberger

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Als ich vor ein paar Monaten Kilian Schönberger in Berlin kennenlernte, wusste ich erst nichts von seiner Naturverbundenheit, die er als Landschaftsfotograf auslebt und auch sein Studium zum Geograph beeinflusst hat. Der 28 Jahre alte Kilian Schönberger aus Köln beeindruckt mit faszinierenden Natur- und Landschaftsfotografien auf höchstem Niveau. Für ihn sind die Landschaften mit ihrer unterschiedlichen geologischen Beschaffenheit und die Lichtverhältnisse, je nach Tageszeit, Inspiration pur.

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Elle:
Frisch zurück von den Dolomiten- die Dolomiten gehören seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe, eine faszinierende Bergwelt. Berge stehen für Unveränderbarkeit und Beständigkeit. Viele fühlen sich in der Bergwelt dem Himmel ein Stück näher. Wie ist das bei dir und welche Eindrücke hast du von deiner Reise mitgebracht?

Kilian Schönberger:

Eindrücke von einer Jahreszeit, die einem dieses Jahr auf der Nordseite der Alpen leider fast gänzlich verwehrt blieb: Winter. Die südlichen Alpen – also auch die Dolomiten – erstickten dagegen fast im Schnee. Die mehrere Meter hohen Schneemassen führten dazu, dass die Landschaft organisch-weich erschien, da der Schnee Felskanten kaschierte. Besonders eindrucksvoll waren auch die Schneemauern links und rechts der Straßen zwischen denen auf den Passhöhen selbst LKWs vollständig verschwanden. Unter winterlichen Bedingungen sind die Berge noch ein wenig unnahbarer als sonst – aber insbesondere Sonnenaufgänge auf fast 3.000m Höhe entschädigen für die Mühen, welche die Witterung an Ausrüstung und Fotografen stellt.

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Elle:
Als Geograf siehst du die Natur auch in einem bestimmten Planungsverständnis und suchst nach Lösungen für Probleme zwischen Menschen und Umwelt. (Übrigens am Rande bemerkt, mein Ur-Ur-Opa war auch Geograf.) Hat dich dieser Beruf bei der Sicht der Dinge als Fotograf beeinflusst?

Kilian Schönberger:

Oh dann hast du ja sicher auch noch das ein oder anderere geografische Gen in dir. Die Geografie erlaubt es mir, die Landschaft zu „lesen“ – zu verstehen wie sie entstanden ist und welche Bedingungen ich auf der Makro- und Mikroebene erwarten kann. Man kann sich meinen Sicht auf die Landschaft als eine Überlagerung von verschiedenen Ebenen vorstellen. Da gibt es einzelne „Layer“ (wie in Photoshop) für die Vegetation, für das Wetter, für die Lichtsituation, für die Gesteinsarten und ihre charakteristischen Felsformationen, aber auch ein Verständnis wie z.B. der Mensch durch Landwirtschaft oder den Bau von Infrastruktur die Landschaft beeinflusst hat. Diese Ebenen kann man bei der Bildkomposition heranziehen um besondere Aufnahmesituationen zu finden… ebenso kann man sie auf einem noch unbekannte Gebiete mit ähnlichen Voraussetzungen übertragen (im Sinne eines Wissenstransfers), was das Fotografieren und das Scouten in neuen Gegenden ungemein erleichtert.

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Elle:
Bei der Landschaftsfotografie spielt das natürliche Licht eine wichtige Rolle und es kommt auf den richtigen Augenblick an, die Schönheit und der Zauber der Landschaft im Bild einzufangen und den richtigen Bildausschnitt zu finden.

Bei der Studiofotografie können wir das Licht für die Aufnahme beeinflussen, was wir bei der Landschaftsfotografie nicht können. Wie gehst du bei deinen Fotoaufnahmen vor? Und inwieweit spielt Geduld eine Rolle?

Kilian Schönberger:

Ich versuche im vornherein die Bedingungen im bestmöglichen Umfang planen zu können. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit verschiedenen meteorologischen Informationsplattformen. Sonnenscheindauer, Sonnenauf- und untergang, Regenradar, Wolkenbedeckung etc. all das kann man ein paar Stunden im voraus „simulieren“ wenn man verschiedene Datengrundlagen kombiniert. So werden dann auch besondere Lichtsituationen halbwegs vorhersehbar. Manchmal. Natürlich bleibt immer eine große Unsicherheitskomponente und schon ein kleines Wölkchen kann die akribischste Planung zunichte machen. Das kann dann mitunter frustrierend sein. Generell geh ich aber im Normalfall nur Fotografieren, wenn ich vielversprechende Bedingungen erwarte – sprich der Zufall zumindest so weit wie möglich minimiert werden kann. Das warten auf perfekte Bedingungen dauert zuhause am Schreibtisch länger (manchmal Wochen, mitunter auch Jahre bis mal alles passt) als vor Ort in der Natur und fordert mitunter für bestimmte Motive sehr viel Geduld.

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Elle:
Ich habe nachgelesen, dass Farbfehlsichtige eine vermehrte Anzahl von Khakitönen wahrnehmen können. Beim Militär bist du gesucht, denn – kein Witz – du lässt dich nicht so leicht von Tarnfarben täuschen als Normalsichtige. Musst du in Bezug auf deine Rot-Grün-Sehschwäche bei deiner Fotografie etwas beachten?

Kilian Schönberger:

Das wichtigste was ich beachten muss ist, dass ich farblich „gefährdete“ Bilder vor der Veröffentlichung einem meiner Kollegen zeige. Es gibt zwar in Photoshop verschiedene Möglichkeiten Falschfarben zu erkennen, aber dennoch ist das Feedback eines Normal-Sehnenden dann doch direkter und besser als reine mathematische Zahlwerte. Die Farbblindheit macht sich also vor allem im Postprocessing bemerkmar. Bei der Aufnahme sicher auch, aber was ich dann nicht sehe, bau ich natürlich auch nicht in meine Kompositionen ein, so dass das im Nachhinein dann auch eine eher geringe Rolle spielt.

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Elle:
Landscapes Photography sind gleich wunderschöne Aufnahmen im Einklang mit der Natur. Deine Bilder treffen in unser Herz und in unsere Seele. Du hast die Linse und deinen Blick so eingestellt, dass eine Sequenz sichtbar wird, die sich so uns nicht offenbart hätte.

Was fasziniert dich an der Fotografie und was gibt dir die Fotografie ganz persönlich?

Kilian Schönberger:

Mich fasziniert an der Fotografie die Möglichkeit meinen Blick auf die Welt mit anderen Teilen zu können und auf Dinge hinzuweisen, die vielleicht sonst nicht bemerkt worden wären. So machen meine Bilder oft gerade auf Orte aufmerksam, die im Alltagslicht völlig unspektaktulär wirken, aber bei perfekten Bedingungen zu Kulissen für unsere Gedanken und Träume werden können. Für mich persönlich ist es besonders spannend mir die Fotografien zu erarbeiten: Das beginnt bei der Locationrecherche, führt über die Prüfung der Licht- und Wetterbedinungen bis hin zum oft mühevollen und kilometerlangen Anstieg letztendlich zum finalen Moment wenn das gewünschte Bild schließlich „im Kasten“ ist. Es ist faszinierend zu sehen, wie manchmal tagelange Vorbereitungen in einem einzigen festgehaltenen Moment kulminieren. Mit diesem Moment wird eben auch die Essenz der Emotionen, Anstrengungen und Erwartungen in dieses eine Foto gebannt.

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Elle:
Caspar David Friedrich war ein Romantiker, er war introvertiert und naturverbunden, seine Gemälde hatten etwas Mystisches, etwas Märchenhaftes, wie z. B. Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond oder die Bilder mit Tageszeitenzyklus – Der Morgen – Der Mittag – Der Nachmittag – Der Abend.

Unverkennbar sind Parallelen zu deinen fotografischen Werken. Welchen Bezug siehst du selbst zu deinen Landschaftsaufnahmen?

Kilian Schönberger:

Es gibt durchaus gewisse Parallelen wenn man sich Kompositionen oder die Vorliebe für märchenhafte oder schaurig-schöne Motive ansieht. Manchmal werden Friedrichs Werke auch als Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu seinen Lebzeiten gesehen. Vielleicht ist es bei meiner Fotografie ähnlich und ich möchte mit meinen Bildern auf eine Welt ausserhalb unseres von Informationstechnologie und medialen Effekten bestimmten Alltags aufmerksam machen.

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Elle:
Wenn du die Möglichkeit hättest, in welches ferne Land, das du noch nicht bereist hast, würdest du für einen längeren Aufenthalt gerne reisen und warum?

Kilian Schönberger:

Derzeit vermutlich Patagonien. Weil man dort die vermutlich spektakulärsten Naturszenarien finden kann… Berge gegen die das Matterhorn wie ein harmloser Maulwurfshügel aussieht.

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Elle:
The Lord Of The Rings oder Game Of Thrones – Fantasy-Welten, fiktive Welten mit unglaublichen Landschaften. Wie würde deine Welt aussehen, wenn du sie gestalten könntest?

Kilian Schönberger:

Ich glaub meine Idealtwelt würde ein bisschen so aussehen wie die Südseite der Alpen. Weinbau und mediterranes Klima überragt von Gletscher bedeckten Gipfeln. Also verschiedene Klima und Vegetationszonen auf einer sehr kleinräumigen Skala. Bei den genannten Filmen und Serien sind ja einzelne Gebiete meist einem ganz konkreten Landschafts- und Klimatypen zugeordnet (Wüste, Mediterran, Nordisch). Aber mich faszinieren gerade Gegensätze auf engstem Raum.

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Elle:
Die Bilderserie „BRAVEHEART’S LEGACY“ hat es mir besonders angetan. Du hast wunderschöne Aufnahmen von Schottland, Island und Norwegen gemacht. Was nimmt dich an diesen nordischen Ländern gefangen?

Kilian Schönberger:

Bei den nordischen Ländern fasziniert mich die Wildheit und Erhabenheit der Landschaft. Ständige Wetterwechsel machen jeden Moment zu etwas besonderen. Steile Felsflanken wechseln sich ab mit verborgenen grünen Tälern. Es ist noch Platz für Entdeckungen, die Natur ist weniger reguliert als in anderen Teilen Europas. Gerade die steilsten Felsen und Wasserfälle weisen noch keine Geländer und Absperrungen auf. Was wären Islands Wasserfälle oder der Preikestolen in Norwegen mit Geländern? In Deutschland wären diese aus Sicherheitsgründen vermutlich vorgeschrieben.

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Elle:
Deine Fotostrecken sind märchenhaft. Man hat das Gefühl, gleich kommt hinter einem Baum, aus dem Haus oder auf der Lichtung eine Märchengestalt aus den Geschichten der Gebr. Grimm zum Vorschein. Wie entstand die Idee zu deiner Fotoserie „Brothers Grimm’s Homeland“ und wo entstanden die Aufnahmen?

Kilian Schönberger:

Ich war schon während meiner Kindheit fasziniert von Märchen und Sagen. Der Zauber dieser Geschichten hat mich nie völlig losgelassen. Nichtzuletzt deswegen gehören auch Deutschland und seine mitteleuropäischen Nachbarländer zu meinen bevorzugten Fotorevieren. Es muss nicht immer das weit entfernte exotische Reiseziel sein… mich fasziniert vielmehr das eigentlich Bekannte neu zu entdecken. So enstand unter dem Titel „Brothers Grimm’s Homeland“ eine wahrhaft märchenhafte Serie die auch in den USA, Italien oder Großbritannien von den Medien aufgegriffen wurde.

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Elle:
Die Natur versteht sich ursprünglich als ein selbstregulierendes System. Der Mensch greift aber immer mehr in die Abläufe ein und zerstört so die wichtige unberührte Natur. Wie siehst du als Landschaftsfotograf die Disparität zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten?

Kilian Schönberger:

Naja vielleicht bin ich mit meinen Bildern ein Konservator des Ist-Zustandes. Manchmal hab ich zumindest dieses Gefühl… so sind zum Beispiel in den letzten Monaten zwei Bäume die in 20km Entfernung voneinander gefällt worden, die in einigen meiner Bilder eine wichtige Rolle gespielt haben. Es gab keinen offensichtlichen Grund für die Fällungen, außer dass jetzt vielleicht die Bearbeitung der umliegenden Felder für die Landwirte leichter fällt. Seltsamerweise haben die Bäume in den 50 Jahren zuvor anscheinend niemanden gestört und insbesonders freistehende Baumsolitäre weisen oft einen schönen vollen Wuchs auf. Die betreffende Gemeinde nennt sich „Bayerische Modellgemeinde für Biodiversität“. Leider scheint heute die Realität zu sein, dass Millionen für Nationalparks und Schutzgebiete ausgegeben werden – aber auf der anderen Seite die ungeschützte Landschaft dem völligen Raubbau und der Agrarindustrialisierung geopfert wird. Wie Inseln ragen dann die Schutzgebiete aus einer monotonen Produktionslandschaft – aber ohne Korridore zwischen diesen Inseln kann die Artenvielfalt nicht erhalten werden. Ich sehe da auch Probleme in der Argumentationsweise z.B. gegenüber Ländern in denen der tropische Regenwald bedroht ist. Wie soll man den dortigen Behörden vermitteln, dass eine Erhaltung der ursprünglichen Ökosysteme wichtig ist, wenn andererseits bei uns der ländliche Raum immermehr zu einem Spekulationsobjekt für Energiegewinnung und Monokulturwirtschaft wird.

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Elle:
Welche persönliche/berufliche Ziele hast du dir für die nächste Jahre gesteckt? Ist eine Ausstellung bereits geplant?

Kilian Schönberger:

In erste Linie ist es mein Ziel meine Arbeit in diesem Jahr weiter zu etablieren und mir neue Kundenkreise die über die klassische Landschaftsfotografie hinaus gehen zu erschließen. Ein erster Anfang ist z.B. eine Kooperation mit der dänischen Modemarke „selected“. Ausstellungen sind auch geplant neben Deutschland auch in Tschechien und Frankreich.

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Elle:
Mir ist aufgefallen, dass es vielen Menschen gar nicht mehr möglich ist, bei dieser Schnelllebigkeit unserer Zeit die Natur mit ihrer ganz besonderen Faszination wahrzunehmen, dass sie mit „Im Einklang mit der Natur sein“, „Ruhe in sich selbst finden“, gar nichts mehr anfangen können.

Deine Worte: „Eines meiner grundlegenden Ziele ist es, die Augen der Menschen für die Wahrnehmung des Besonderen sowohl im scheinbar Alltäglichem als auch im Verborgenem zu öffnen.“

Ich bin mir sicher, dass all diejenigen, die sich nun die Muse nehmen und deine Bilder auf sich wirken lassen, erkennen, was Du damit meinst.

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