Be Coultique – Jürgen Lenhardt

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Jürgen Lenhardt wuchs in der unterfränkischen Kleinstadt Münnerstadt im Landkreis Bad Kissingen auf. Er absolvierte an der FH für Gestaltung in Würzburg von 1996 – 2001 ein Studium zum Kommunikationsdesigner und arbeitet heute als freier Fotograf und Grafikdesigner in den unterschiedlichsten Bereichen und für einen großen Kundenstamm.

Elle:
Dein Werdegang war vorhersehbar, in der Schule wurdest du von Lehrern im zeichnerischen-/gestalterischen Bereich gefördert, hattest ein hochbegabten Stipedium im Bereich Gestaltung erhalten und auch mehrere europäische Wettbewerbe diesbezüglich gewonnen. Während und nach deinem Studium hast du, um Erfahrungen zu sammeln, bei verschiedenen Werbefotografen assistiert, bevor es dann im Jahr 2005 nach Karlsruhe ging. Wie hast du die damalige Zeit empfunden, welche Erfahrungen hast du gemacht und wie konntest du diese in deine heutige Arbeit einbringen?

Jürgen Lenhardt:

Während und kurz nach meinem Studium hatte ich oftmals das Gefühl zwar theoretisch alles durchgenommen und gelernt zu haben, was die Grundvoraussetzungen für kreatives Arbeiten im Berufsleben darstellen sollen.
Jedoch wirklich gewappnet mit fundiertem Wissen für den Alltag fühlte ich mich nicht.

Als Kind war das kreatives Gestalten, besonders Zeichnen und Malen, ein wesentlicher Bestandteil, mit dem ich meine Freizeit verbracht habe. So faszinierte mich damals anfänglich das realistische Umsetzen von Formen und Farben auf Papier. Hierbei schulte ich wohl damals schon durch das genaue Betrachten vom Lichtverlauf und Oberflächen mein Auge. Ich denke, dass ich durch diese Grundlage, das genaue Analysieren von Materialien, Oberflächen, Formen, deren Eigenschaften und Stellung zueinander in unterschiedlichen Lichtsituationen, ein gutes Verständnis dafür bekam.

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Elle:
Stilleben Fotografie beschreibt die Darstellung von Gegenständen, die je nach Thema ästhetisch wirkungsvoll arrangiert werden. Stilllife- und Produktfotografie gehört auch zu deinem Auftragsumfang. Was ist die Besonderheit bei solchen Aufnahmen, was ist wichtig, auf was muss man deiner Meinung ganz besonders achten? Benötigt man ein besonderes Studioequipment für einen gelungen Stillife-Setaufbau?

Jürgen Lenhardt:

Bei der reinen Produktfotografie ist ja meist gewünscht, dass der zu fotografierende Gegenstand neutral und realistisch (oder doch besser vorteilhafter), also technisch perfekt, abgelichtet wird. 
Wobei in der Stilllifefotografie Spielraum zu gestalterischer Freiheit liegt und dem Gegenstand etwas „Emotionalität“ eingehaucht werden kann. Wie auch bei der Peoplefotografie oder Fotografie generell, ist mir hierbei wichtig, dass neben der ästhetischen Abbildung auch eine gewisse stimmige Gesamtkomposition, also ein „Bild“ entsteht. Wie auch bei meiner Peoplefotografie ist mir das perfekte Fotoequipment nicht so wichtig. In der Fotografie steht und fällt alles mit dem richtigen Licht, dass nicht zwangsläufig aus der neuesten und teuersten Technik kommen muss. Ich weiß mich auch unter widrigen Umständen gut zu behelfen, um je nach benötigter Lichtstimmung mit einfache Mitteln zu arbeiten.

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Elle:
Für ein optimales Foto müssen die einzelnen Elemente wirkungsvoll platziert werden. Es müssen wichtige Dinge wie Symmetrie, Vorder- und Hintergrundgewichtung, Perspektive etc. beachtet werden, um den Betrachter in den Bann zu ziehen und zu faszinieren.

Jürgen Lenhardt:

Da ich ja, wie bereits gesagt, vom Zeichnen komme, in diesem Bereich anfänglich meine ersten Schritte gegangen bin und anhand der Grundlagen der Malerei gelernt habe, sehe ich die Fotografie im Grunde genauso. Neben dem spannungsreichen, gerne auch sehr asymetrischen Bildaufbau, mag ich die Staffelung von verschiedenen Ebenen, um einen Raumeindruck zu vermitteln. Durch Größensprünge von Hintergrund zu Vordergrund in der ich auch gerne ein Spannung erzeuge. Zudem merke ich auch immer wieder, dass ich die Bildkomposition gerne auf wenige Gestaltungselemente reduziere.

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Elle:
Sehr gute Kenntnisse und Fähigkeiten sind Voraussetzungen für eine ansprechende Fotografie. Aber auch sehr wichtig ist das richtige Auge und das Empfinden ein Bild in allen Facetten gekonnt zu präsentieren.

Jürgen Lenhardt:

Durch die Malerei habe ich mein „Auge geschult“. Für mich ist es sehr interessant durch Schattenregionen, Unschärfe, Wischeffekte, Bildstörungen den Betrachter im Ungewissen zu lassen, so dass er gefordert ist das Bild gedanklich selbst zu ergänzen und zu vervollständigen. Ich glaube, dass dieser Spielraum zur Eigeninterpretation des Betrachters maßgeblich zur Faszination eines Bildes beiträgt. 
Bei kreativen Bildthemen sehe ich mich nicht als Techniker, der fotografisch perfekt die Realität abbildet – viel mehr warte oder suche ich nach dem einen bestimmten Moment, der für mich das Bild dann ausmacht. Es ist schwer zu erklären und in Worte zu fassen. Meist ist das Fotografieren für mich eher etwas Intuitives, als etwas Geplantes. Eine gute und vertrauensvolle Stimmung ist für mich die Grundvoraussetzung am Set, um Emotionen und subtile und flüchtige Momente einfangen zu können.

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Elle:
Fotografie ist Kunst – Fotokunst und hat in den letzten Jahren von den Anfängen mit der Camera obscurabis bis heute zur gängigen Digitalfotografie eine stürmische Entwicklung erfahren. Wie siehst du die Fotografie in den nächsten 20 Jahren? Wie muss sich ein Fotograf mit- und weiterentwickeln?

Jürgen Lenhardt:

Aus der Zeit kommend und auch von Grund auf gelernt, als Fotografie noch ein langwieriger und auch überraschen Prozess darstellte, Fotografie ist mit den neuen Digitalkameras, Medien und Netzwerken zu etwas Alltäglichem geworden. Jeder ist auf seiner Art ein Fotokünstler, in dem er sich vielleicht in Netzwerken täglich selbstinszeniert, feiern am Wochenende dokumentiert oder gezielt und mit einem Konzept arbeitet. 
So kritisch wie manche es verfolgen, dass die „heilige“ Fotografie zum Allgemeingut geworden ist und sich jeder mit Instagram-Filtern als „Fotokünstler“ sehen kann und darf – so viel Innovation steckt auch in dieser Entwicklung. In den letzten Jahren hat sich ein neues und anderes Verständnis zur Fotografie entwickelt, das auch viel Potential in sich birgt. So ist Fotografie zu einem selbstverständlichen und allgemein anerkannten Ausdruck- und Informationsmittel über Soziale Netzwerke für jedermann an jedermann geworden. Ich finde es eher interessant, wie sich hier die Grenzen aufweichen, unterschiedliche Bereiche gegenseitig beeinflussen und daraus Neues entsteht.

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Elle:
Kunst, Architektur und Reisen gehören u. a. zu deinen weiteren Interessen. Wenn du frei das Land, die Location, was und mit wem du eine Fotostrecke realisierst, wählen könntest, wie würdest du dich entscheiden?

Jürgen Lenhardt:

Ha, das ist gemein! :D
 Es gibt so viele unterschiedliche und schöne Orte und Länder, so dass es mir wirklich schwerfällt, mich entscheiden zu müssen. Allerdings bin ich doch immer wieder überrascht, dass so mancher unauffällige Ort, an dem man täglich ungeachtet vorübergeht, in einem Bild mit dem richtigen Licht und Ausschnitt zu einer spektakulären Location werden kann. Vorallem jetzt, da die ersten Sonnenstrahlen wieder hervorkommen und Orte in ein ungewohntes Licht tauchen.

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I’m coultique, because …. I’m obsessed

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