Be Coultique – Josephine Roloff

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Welcome to London! Die Fotografin Josephine Roloff stammt aus Magdeburg und lebt nun seit drei Jahren in London, wo sie als Modefotografin arbeitet. Sie hat ein außergewöhnliches Gespür für natürliche Schönheiten und ein Händchen für gekonnte, nie auch nur ansatzweise langweilig wirkende, Studiofotografie.

Elle:
Du bist gebürtige Magdeburgerin und hast in Leipzig eine Ausbildung zur Fotografin gemacht. Im Anschluss zog es Dich in die Großstadt, wo Du neben der Arbeit im Management und als Referentin bei der Fotomafia auch Fotoassistent bei Felix Rachor warst. Bei Assistenz bei Felix muss ich immer automatisch an den kurzen Clip denken, der bei ihm auf der Fanpage zu finden ist. Wie verlief Deine Assistenzzeit bei ihm, lässt er wirklich so sehr den Boss raushängen? ;))

Josephine Roloff:

Ich würde die Assistenzzeit bei Felix vor allem als interessant beschreiben. Da Felix zum Zeitpunkt unserer Zusammenarbeit den Fokus auf die Workshopfotografie gelegt hat, habe ich vor allem sehr viel zum Thema Organisation, Selbstvermarktung und Verwaltung gelernt. Das hat mir später, zu Beginn meiner Selbstständigkeit, sehr geholfen alles organisiert zu halten. Im Vergleich zu anderen Fotografen für die ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, würde ich Felix als nicht sonderlich „bossy“ beschreiben – Wir hatten während der acht Monate, die ich für ihn gearbeitet habe, im Großen und Ganzen ein recht freundschaftliches Verhältnis.

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Elle:
Viele Kreative zieht es nach Berlin oder Hamburg, Dich zog es von dort direkt ins Ausland nach London, wo Du Studioassistentin in den Big Sky Studios warst. Wie siehst Du die Fotografieszene in England im Vergleich zu der in Deutschland?

Josephine Roloff:

Mich hat es damals hauptsächlich nach London gezogen, weil ich das Gefühl hatte, dass dort alles einfach internationaler ist. Ich hatte damals in den Big Sky Studios die unglaubliche Gelegenheit, den besten Fotografen der Welt über die Schulter zu schauen. Mir hat die Vorstellung gefallen, täglich mit anderen Top Leuten zu arbeiten und die Möglichkeit zu haben, die Industrie noch einmal so richtig kennen zu lernen. Das habe ich als riesige Chance gesehen. Solch ein Studio, wie die Big Sky Studios, gibt es bisher (soweit ich weiß) in Deutschland noch nicht. Ich denke einfach, Deutschland ist super für Fotografen, die bereits international etabliert sind oder Fotografen, die ihr Hauptaugenmerk auf die Werbefotografie legen – ich hoffe jedoch, dass sich dies noch im Laufe der Zeit ändern wird.

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Elle:
Eat – Shoot – Sleep – Repeat. Fühlst Du Dich schon wie eine typische Britin? Hast Du schon für uns in Deutschland untypische Essensgewohnheiten angenommen? Yorkshire-Pudding, Baked Beans, Black Pudding, Bubble and Squeak und wie sieht ein Tag im Leben von Josephine Roloff aus, abgesehen vom Frühstück?

Josephine Roloff:

Ich muss gestehen, dass ich mich mit dem “traditionellen” britischen Essen nicht so wirklich anfreunden konnte und eher ein Freund des gesunden englischen Fastfoods bin. Es ist unglaublich wie leicht es einem gemacht wird, schnell und gesund in London zu essen. Einen typischen Tag gibt es in der Regel bei mir leider nicht. Mein Ablaufplan richtet sich immer nach der Calltime und dem Job. In der Regel stehe ich jedoch um 6 auf und der erste Gang geht erst einmal Richtung Kaffeemaschine. Ohne die richtige Menge Kaffee schaffe ich es leider nicht einmal bis zu meinem Schreibtisch.

Dann mache ich mich fertig, schaue mir nochmals den Tagesplan an, gehe alle wichtigen Informationen für den anstehenden Job durch und beantworte Emails. Anschließend (meist ca. 8 Uhr) schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre ins Studio.

Sobald ich das Studio betrete, bin ich 100% im Arbeitsmodus und lege den kompletten Fokus auf den Kunden und die Produktion. Wenn das Fotoshooting vorbei ist, finden in der Regel die Bildauswahl und ein tagesabschließendes Meeting mit dem Kunden statt.

Sobald alles geklärt ist und ich mich von dem Kunden verabschiedet habe, fahre ich zurück nach Hause, beantworte E-Mails und bereite mich auf den kommenden Produktionstag vor. Für gewöhnlich bin ich zwischen 22 und 23 Uhr fertig mit der Arbeit. Je nach Tagesform treffe ich mich dann noch mit Freunden oder bevorzuge doch nur zehn Minuten Netflix entspannt auf der Couch (leider sehe ich meist nur den Titel und die ersten 10 Minuten des Films). Sprich: Deine Eat-Shoot-Sleep-Repeat Beschreibung trifft es recht genau.

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Elle:
Seit Mitte 2014 arbeitest Du als Freelance Photographer in London, mit gerade einmal 23 Jahren hast Du schon einen tollen Lebenslauf vorzuweisen und viele Impressionen gewinnen können. Spielst Du mit dem Gedanken Dir eine weitere große Herausforderung zu suchen, sprich eine andere Stadt, Land oder Dich als Fotoassistentin bei einem namenhaften ausländischen Fotografen zu bewerben?

Josephine Roloff:

Momentan kann ich mir weitere Fotoassistenzjobs nicht mehr vorstellen, da es mit meiner eigenen Fotografie bestens läuft und ich mich voll und ganz darauf konzentrieren möchte. Ich würde sehr gern noch einmal in New York, LA oder Paris wohnen aber konkrete Pläne gibt es diesbezüglich noch nicht. Derzeit konzentriere ich mich erst einmal darauf, mich in London zu etablieren.

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Elle:
Ich erlebte London damals im Schnelldurchgang – 10 Stunden zwischen London Underground, Fish&Chips, British Museum, einer spontanen Jamsession und Schneesturm. Ohne die typischen Touri-Hotspots, wie lauten Deine Highlights in London, wo trifft man Dich in London an?

Josephine Roloff:

Ich wohne in einem wundervollen Warehouse mit sechs anderen Kreativen und wir haben so ziemlich alles, was das erwachsene Kinderherz begehrt, in unseren eigenen vier Wänden. Wir verbringen dort sehr viel Zeit zusammen und arbeiten an Ideen oder unterhalten uns über Projekte, spielen Tischtennis oder auch mal nachts um 1 Uhr Frisbee. Ich mag es sehr gern durchgehend in einem kreativen Prozess zu sein, was mein Umfeld dort sehr unterstützt. Wenn ich weggehe, dann bewege ich mich in der Regel fast ausschließlich in East London(Stoke Newington, Dalston, Shorditch oder Hackney), da es dort meiner Meinung nach die besten Clubs und Bars gibt und man dort viele kreative und interessante Menschen trifft.

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Elle:
Kim Hartwell, Sheena Liam, Klaudia Bulka, die Wahl Deiner Models lässt keine Wünsche offen, favorisierst Du einen gewissen Typ, wenn Du freie Arbeiten umsetzt? Wie gehst Du bei der Wahl Deiner Models vor? Welche Voraussetzungen müssen für Dich gegeben sein?

Josephine Roloff:

Ich liebe es einfach, Frauen sehr klassisch schön und stark zu fotografieren – deshalb suche ich mir in der Regel entweder sehr klassisch schöne oder sehr speziell aussehende Models. Für mich hat beides seinen Reiz und vieles ist sehr abhängig von meiner eigenen Stimmung oder der Stimmung, welche ich in meinem geplanten Projekt zeigen möchte. Die Ausstrahlung des Models spielt jedoch eine der entscheidendsten Rollen bei der Auswahl, weshalb ich oftmals vorab ein Casting veranstalte. Ich finde die Köpersprache, Ausstrahlung und die Art und Weise, wie das Mädchen sich bewegt, sind die wichtigen Faktoren. Ich habe auch schon spontan Konzepte umgeschrieben, weil ich plötzlich ein Model in einem Casting getroffen habe, welches nicht in mein Konzept gepasst hat, ich jedoch unbedingt fotografieren wollte, so dass ich kein Interesse mehr an meinem eigentlichen Projekt hatte. Das ist vom Gefühl her fast ein wenig so wie sich in jemanden zu verlieben (lach)

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Elle:
Wenn Du ganz frei wählen könntest, Klient, Team, Topmodel und Location, wie würde Dein “Traum-Shooting” aussehen?

Josephine Roloff:

Klient: Dior
Produktion: Mai – Mascioni Associati International
Topmodel: Anna Ewers
Location: Studio + Setbuild

Herzlichen Dank für dieses informative Coultique-Interview und weiterhin viel Erfolg!

Um up-to-date zu bleiben könnt Ihr Josephine Roloff über Instagram und Twitter folgen. Weitere fotografische Werke von ihr findet Ihr auf ihrer Webseite.

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