Be Coultique – J. Konrad Schmidt

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J. Konrad Schmidt wurde 1984 in einem kleinen Städtchen nahe Suhl, Thüringen geboren. Mit 12 Jahren schenkte ihm seine Großmutter eine Olympus Trip 35, sicherlich hat sie seinen vorbestimmten Weg geahnt, denn J. Konrand Schmidt absolvierte nach seiner Schulzeit ein Fotografie-Studium mit Auszeichnung. Heute lebt und arbeitet er als freischaffender Fotograf in Hamburg und kann auf mehrere Awards zurückblicken, wie z. B. Adobe Influece Partner geworden zu sein und einen BFF Jahrbuch Award in silber.

Elle:
Wie war es von einer Kleinstadt in die zweitgrößte Stadt Deutschlands, nach Hamburg zu kommen?

J. Konrad Schmidt:

Gar nicht so spektakulär… Ich habe vorher in Dresden und Stuttgart gewohnt. Reisen oder besser, in Bewegung zu sein war schon immer ein Teil meines Lebens. So bin ich heute auch nicht sehr regelmäßig in Hamburg an zu treffen. Man hat in jeder Stadt seine Community und das ist wundervoll so. Die Einflüsse bleiben erhalten und Hamburg ist ein guter Fleck zum „da sein“. Ich mag mein Netzwerk und meine Logistik hier sehr. Kurze Wege und liebe Menschen aber es zieht mich sehr regelmäßig an neue Orte, wo ich noch nicht war…

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Elle:
Wie in allen kreativen Berufen ist es zwar wichtig die Technik zu beherrschen, aber noch mehr zählt die kreative Ader, das Empfinden für Details, die Sensibilität für die Umsetzung eines Bildes zu haben, das den Betrachter in seinen Bann ziehen soll. „The humanistic eye“ – was hat es damit auf sich? Und wie wichtig ist es für einen Fotografen, seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln?

J. Konrad Schmidt:

„The humanistic Eye“ stammt aus einem Kommentar eines Amerikaners unter einem meiner Interviews im Netz. Treffender konnte man es wohl kaum beschreiben. Ich sage immer, ich photographiere Frauen in Kleidern und nicht Kleider an Frauen. Viele Models sagen mir nach einer Produktion, dass Sie sich selbst in den Bilder sehen wie selten zuvor. Man kann an einer Frau auch komplett „vorbei“ photographieren. Meistens ist es dann am Ende irgendein Model auf dem Photo aber nicht die Frau, die eben durch die Studiotür gekommen ist. Der Satz hätte nicht passender sein können und ich danke dem Herren bis heute für diese Formulierung.

Nichts geht über Stil. Ich behaupte mal: Wenn man sich wirklich mit Photographie geschäftigt hat, hat man ein Gefühl dafür, welche Arbeit vor einem liegt. Man erkennt einfach gewisse Züge einer Arbeit wieder. Das sollte immer das Ziel sein. Wenn man mit seinem Tun in einer anonymen Masse untergeht, dann hat das keinen Stil. Das komplizierte daran ist, dass man von sich selbst nie weiß, ob der eigene Stil vorhanden ist und erkannt wird…

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Elle:
Was hälst Du von experimentellen Techniken, wie z. B. nächtlichen Langzeitbelichtungen mit künstlichen Lichtquellen oder verschiedene Perspektiven in einem Bild, so eine Art Collage, zu vereinen etc.?

J. Konrad Schmidt:

Wenig – Für mich muss all das am Ende dem Bild „dienen“ – wenn man es nur aus der Technik selobst heraus macht, des reinen Tuns wegen, dann ist das nichts für mich. Es gibt Projekte wo nichts anderes Sinn macht und dann wird es ein tolles Ergebnis geben. Manchmal jedoch wirkt es so als sei es eine technisch motivierte Flucht aus Themen, die schon von ziemlich fitten Leute besetzt sind.

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Elle:
Wie zeichnet sich professionelle Fashion-Fotografie noch aus? Du legst bei Deiner Modefotografie Schwerpunkt auf „fashionable elegance, melancholic seduction, real sense of story.“

J. Konrad Schmidt:

Gute Frage. Ich sehe viele Ausstellungen im In- und Ausland. Aber es bleibt sehr wenig wirklich hängen. Es ist schwer zu formulieren aber ich glaube der aktuellen Fashion-Photographie fehlt es an Photographie. Styling und Location machen meist das Bild. Im anderen Extrem macht gar nichts das Bild. Die Kamera ist dann nur Zeuge einer Szenerie aber nicht Akteur. Die Ästhetik eines Bildes kommt nur zu einem kleinen Teil vom reinen Inhalt. Ich habe jetzt seit 10 Jahren die Kamera im Job in der Hand. Zum Glück ergaben sich ein paar Bilder von denen ich heute weiß, dass es meine Evergreens sein werden aber das sind sehr sehr sehr Wenige. Hinter mir stehen zahllose Bildbände. Ich habe das alles genau studiert und versuche mich dennoch von fremden Einflüssen so fern wie möglich zu halten. Der eigene Stil muss eben der Eigene bleiben. 2010 habe ich eine Strecke über Piercings in der Mode photographiert. 2010. In 2014 ist das hip und an der Tagesordnung. Der Unterschied ist – jetzt sind die Motive zu „trendig“ um „zu bleiben“ – ich versuche zeitlos zu sein. Extrem schwer aber lohnenswert!

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Elle:
Dir hat es besonders die Analoge schwarz/weiß Fotografie angetan. Keine Farbe lenkt vom Motiv ab. Der Blick wird verstärkt auf das wichtige Detail des Bildes gerichtet, der Blick des Betrachters auf die gewünschte Wahrnehmung gelenkt. Was fasziniert Dich an der Analog-Fotografie und auf was muss man verstärkt achten? 2011 erhielst Du für ein beeindruckendes analoges Foto den BFF Jahrbuch Award in Silber.

J. Konrad Schmidt:

Die Faszination liegt im Geheimnis und in der Stringenz. Ich empfinde es manchmal als „Abkehr“ vom Motiv, wenn ich mich nach jedem Bild zum Rechner umdrehen soll um zu warten, dass das Bild da ist. Ich gehe im Supermarkt ja auch nicht mit jedem Teil einzeln zur Kasse. Man ist nicht abgewandt vom Geschehen und am Ende ist das, was man gesehen hat „geschützt“. Es gibt Produktionen, da will ich mich keinem Urteil stellen in dem Moment, wo ich es tue. Wenn alles fertig ist, dann stelle ich mich dem gern. Es gibt analoge Photos von mir wo ich weiß, dass keine digitale Kamera der Welt dieses Bild überhaupt technisch hätte machen können. Und anders herum ist es ja nicht so, dass ich das Digitale verschmähe, im Gegenteil. Von der Glasplatte aus dem Jahr 1860 bis zum 80 Mio. Pixel-Rückteil aus 2014 beherrsche ich ja jede Technik. Es geht mir um das Spektrum. Es ist etwas atemberaubendes in 2014 ein Photo zu machen, dass jeder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf 1900 datiert hätte obwohl der Inhalt zeitgemäß ist. Ich spiele mit diesem Klischee von Anmutung. Wenn alles nur noch Retro ist, mache ich eben Vintage im Jetzt. Es ist ein Stilmittel. Wenn Du mir eine Idee vorschlagen würdest, kann ich Dir genau sagen mit welcher Kamera und welcher Technik ich es umsetzen werde und ich weiß vorher wie es hinterher aussehen wird. Ein toller Umstand.

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Elle:
Die Wahl des Models ist sicherlich auch ein wesentlicher Aspekt. So ist nicht immer das allgemeine Schönheitsideal gefragt, sondern auch wie das Model zur jeweiligen Fotostrecke oder Kampagne passt. Wie triffst Du Deine Auswahl?

J. Konrad Schmidt:

Wenn ich buche, dann bin ich auch „Herr des Ergebnisses“. Man erfindet ja für jede Produktion eine Art „Welt“ und einem inneren Gefühl folgend, passt dann nur ein sehr kleiner Kreis Models in diese Welt hinein. Als ich mit Jaguar in Nizza war… Da brauchten wir eine „echte Frau“ die „südländisch“ aussah und nicht 18 sein durfte. An diesem Beispiel sieht man es. Jedes junge wundervolle blonde schwedische Mädchen sieht in einem Jaguar auf Bergstraßen einfach nicht so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und diesem Gefühl folgend suche ich dann ein Model. Hin zu kommt noch: Ich empfinde es nicht als gut, die Mädchen in Rollen zu stecken, die Sie nicht füllen können. Dann wirkt man im Bild verloren. Das sieht man! Da sind wir wieder beim humanistischen Auge. Es reizt mich heraus zu finden, wie ein Model in meiner Idee aussieht bzw. wie Sie darin aufblüht aber ich habe ein Gespür für die Grenze. Die überschreite ich auch nicht! Es gibt viele Teams, die mit den Models umgehen wie mit einer Ware. Auch da bin ich Humanist. Das Model ist das wichtigste Element meines Photos. Manchmal sogar das Einzige. Es sollte Ihr gut gehen! Darauf lege ich großen Wert!

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Elle:
Wie sieht es in Deiner Freizeit aus? Hast Du die Kamera immer griffbereit, um Geschehnisse festzuhalten oder lässt Du diese dann mal lieber zuhause?

J. Konrad Schmidt:

Nicht wirklich… Mein „Tagebuch“ ist meine iPhone-Kamera. Das betrachte ich aber eher als Zeitdokument als als „Photo“ im Sinne eines Bildes, dass ich zeigen will. Es ist eher so: Wenn ich eine Zeit lang mal nichts für meine eigene Bildsprache photographiert habe, dann hat sich in der Zwischenzeit dennoch etwas verändert. Es ist als käme man an die Kamera zurück und das eigene Auge ist dann ein Anderes geworden. Ich genieße es nicht jeden Tag die Kamera in der Hand haben „zu müssen“. Ich bin jetzt seit 4 Jahren mit einem Model in Europa unterwegs und photographiere Sie immer in einem dunklen Hotelzimmer. Jedes Jahr machen wir eine Produktion. Jedes Jahr sind wir „anders“ und so werden auch jedes Mal die Photos anders, obwohl wir immer „die Gleichen“ sind. Mit diesem Model habe ich auch den BFF Jahrbuch Award in Silber gewonnen. Abstand ist der Schlüssel zu Vielem…

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Elle:
Zu Deinen Klienten zählen Mercedes-Benz, Samsung, Leica Camera AG, Jägermeister, art – Das Kunst Magazin, ELLE, Cosmopolitan, Emotion, Handelsblatt, Faz, NEON, Jolie, um nur einige zu nennen. Wenn Du die Wahl hättest für eine Institution, Label, Mag ein „Traum-Shooting“ mit freier Wahl von Location, Team, Models etc. realisieren zu können, was wäre Deine Vorstellung davon?

J. Konrad Schmidt:

Eine sehr gute Frage: Irgendwie ist jedes Shooting, dass ich „für mich mache“ ein Traumshooting und das lasse ich mir Einiges kosten. Ich hatte schon einige Male das Glück ohne jede Vorgabe Strecken für Kunden machen zu dürfen, die dann hinterher entscheidend zur Kommunikation beigetragen haben. LEICA ist so ein Fall. Man vertraute mir und die Bilder sprechen genau diese Sprache. Das schöne an Träumen ist doch, dass man in der folgenden Nacht wieder einen haben kann.

Ich weiß nicht ob es so ein Traumshooting geben kann denn es ist jedes Mal wieder ein fragiles Netz aus vielen Akteuren. Wenn Du nach Marken und Models fragst: Ich mag an Marken nicht den Namen sondern das Gefühl für die Dinge, das Sie mir vermitteln. Ich schätze nur wenige Marken. LEICA war so ein Traumkunde. Es gibt nichts Besseres in der Welt der Optik…

VOGUE ist immer ein Thema im Leben eines Mode-Photographen. Ich bin ein stiller Fan von Lindbergh und versuche dennoch nie aus zu sehen wie er. GUESS ist ein toller Kunde. Ich mag Dinge die „Stilbildend“ sind und das sind nur sehr sehr Wenige…

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Elle:
Das digitale Zeitalter schreitet immer mehr voran und bringt wesentliche Veränderungen mit sich. Wie siehst Du die Fotografie in 10 oder 20 Jahren? Ist es für einen Fotografen wichtig, sich immer wieder neu zu finden, sich mit anderen Gestaltungs-Medien noch auseinanderzusetzen, um kompetent zu sein?

J. Konrad Schmidt:

Ich glaube an das Gegenteil. Die Video Funktion in den Kameras hat weder die Photographie noch die Videos besser gemacht – nur einfacher und billiger. Was ich wirklich schätze sind absolute Fachleute auf Ihrem Gebiet. Freaks die einen mit Ihrem Wissen umhauen! Es ist wundervoll mit solchen Menschen zu arbeiten. Das was Sie können, können Sie so gut wie Niemand sonst. Diese Leute sind keine guten Generalisten. Ich weiß viel über Photographie und Musik aber ich weiß nichts über Malerei und das Filmen.

Das Leben wird immer noch schneller/voller und ich muss versuchen konzentriert zu bleiben. Schau Dir Chilly Gonzales an. Er ist ein begnadeter Pianist, Songschreiber und Entertainer. Er trägt Schlappen und seidene Morgenmäntel auf der Bühne. Er ist „the musical Genius“ und ich stimme dem voll und ganz zu. Er ist nur so gut weil er total straight ist!
Lillian Bassman wäre sicher nie eine gute Photographin für Farbaufnahmen gewesen… Auf Ihrem schmalen Feld war Sie uneinholbar vorn. So was liebe ich! Erxpertise die zu Tränen rührt!

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I’m coultique, because i dare to be myself!

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