Point of View – girls game


Nach meinen Erfahrungen und auch die meiner weiblichen Genossinnen, reden Männer und Frauen meist aneinander vorbei. Für uns deutliche Aussagen von Männern entpuppen sich später doch nicht als solche, Mißverständnisse kursieren. Und Männer sind oftmals der Auffassung, dass unser „Nein“ oft ein Ja bedeutet. So leben wir denn in unterschiedlichen Welten. Oder doch nicht?


„girls game“ – meine erstaunliche Reise in die Welt der Frauen

Unerschrocken, denn Mut gehört eindeutig dazu, hat sich ein Mann auf den Weg gemacht, um uns Frauen besser verstehen zu können, in eine Welt einzudringen, die so nie ein Mann zuvor sah.

Bernd Bitzer, Journalist, Autor und Berater wird zu Marlene.

Bernd and Marlene Bitzer are in love. For over 40 years. She is a sexy bitch with a lot of pride and class. He is an ambitious self-made man and crazy about fast cars. Without Marlene Bernd would never have achieved so far. How convenient, that they live in the same
body….




Elle:
Als Journalist ist man belesen, das Schreiben zwingt im positiven Sinne dazu, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, von Neuem zu erfahren, sein Wissensspektrum enorm zu erweitern. Was war der Anlass sich auf ein Spiel einzulassen, bei dem man(n) den Ausgang nicht hervorsehen konnte?

Bernd/Marlene:

Genau das, was mich vor über 30 Jahren auch Journalist werden ließ – meine unbändige Neugier. Und die frühe Erkenntnis, dass in meinem Körper schon immer zwei Seelen wohnen, die mir einen unterschiedlichen Blick auf die Welt ermöglichen. Die vielen Fragen, auf die ich als Kind keine Antworten hatte, wollte und konnte ich so Stück für Stück beantworten. Und das war – auch für den Journalisten – mehr als faszinierend.



Elle:
Haben Sie sich eine To-Do-List zurechtgelegt, die dann jeweils Punkt für Punkt abgehakt wurde oder waren einige Vorgehensweisen auch spontan?

Bernd/Marlene
:
Ich hatte mir tatsächlich eine Liste, einen Rechercheplan zurechtgelegt, als ich mich vor rund eineinhalb Jahren an die Vorbereitungen für das Buch machte. Doch mit dem, was dann alles passierte, mit den wirklich unglaublichen Erlebnissen – die teilweise wunderschön und aufregend, aber auch äußerst schmerzhaft waren – hätte ich niemals gerechnet. Was vielleicht sogar besser war…



Elle:
Haben Sie den Namen Marlene aus einem bestimmten Grund gewählt?

Bernd/Marlene:

Eine wirklich gute Frage, die bisher noch niemand gestellt hat. Außer ich mir selbst – vor vielen Jahren. Und da ich eine starke und sehr selbstbewusste Frau in mir spürte, fiel die Entscheidung leicht. Wobei die eigentlich Überraschung Jahrzehnte später kam: in meinem Schweizer Freundeskreis diskutierten wir das Thema, wie unsere Eltern uns im jeweils anderen „Fall“ genannt hätten. Alle wussten es… nur ich nicht. Also am nächsten Tag bei Muttern angerufen und ganz unauffällig die heikle Frage gestellt. Und dann kam –was mich wie ein Blitz traf – der Name, den ich mir 30 Jahre zuvor selbst gegeben hatte: Marlene.



Elle:
Wie schlüpft man in die Haut einer Frau? Mit dem Äusserlichen verändern (hier auch das „kleine“ Problem der Grösse von 1,94 m) Kleidung, Make up, ist es ja nicht allein getan?

Bernd/Marlene:

Tatsächlich hat es bei mir mit dem Kleidungswechsel nichts zu tun, es ist vielmehr ein inneres, seelisches Umschalten – ein vollständiger Programmwechsel im Gehirn. Und wohl nicht nur dort… manche nehmen den Umstieg an kleinen Bewegungsänderungen, Betonung und Ausstrahlung wahr. Eine Freundin meint es sogar am Wechsel meiner Augenfarbe zu erkennen.

Der Wechsel in weibliche Kleidung addiert dann nur noch die teilweise verblüffende Reaktion der Umgebung. Und meine – auf mich selbst. Und diese Erkenntnis würde ich jedem Mann von Herzen gönnen: wenn ich vor dem Spiegel stehe… und alles, was Mann in mir heisst, voll auf die Frau im Spiegel abfährt. Auch biologisch besehen. Und gleichzeitig begreift, dass den Unterschied nur ein paar Farbflecke an den richtigen Stellen, ein bisschen Form und Bewegung machen … dass Männer einfach unglaublich simpel programmiert sind.

Meine Größe ist erstaunlicherweise kein allzu auffälliges Erkennungsmerkmal, wenn ich mit meinen Freundinnen beim Shoppen oder in der Stadt unterwegs bin. Es sei denn, ich stehe abends auf meinen Highheels. Dann wird jede Tür ein gefährliches Problem…


Elle:
Wenn ich das richtig verstanden habe, kam auch ein Hilfsmittelchen aus der Pharmazie zum Einsatz. Hatten Sie da hinsichtlich (Neben-)wirkungen keine Bedenken?

Bernd/Marlene:

Stimmt, wobei mir da meine Neugier fast zum Verhängnis geworden wäre. Ich wollte einfach immer weiter in dieser faszinierende Welt – und erst die erschrockene Reaktion meiner irgendwann eingeweihten Freunde „Hey, es wäre doch wirklich schade um Dich als Mann“, brachte mich ziemlich schlagartig zur Besinnung. Warum ein Doppelleben aufgeben, das so viele Jahre bunt, lustig und überaus ereignisreich war? Warum das Aussergewöhnliche zur Normalität erklären? Und so gibt es heute eben weiterhin Bernd und Marlene.



Elle:
Wie wir Menschen sind und uns verhalten, ob Frau oder Mann, ist teils genetisch vorprogrammiert, einen Teil bestimmen unsere Hormone und der Rest setzt sich aus unseren Erfahrungen und wie wir damit umgehen auseinander.

Bernd/Marlene:

Das war tatsächlich ein für mich äusserst beeindruckendes Ergebnis meines Experiments. Provokant formuliert: Männer stehen ihr ganzes Leben lang unter Drogen. Die einen mehr, die anderen weniger. Ich konnte ganz praktisch nachvollziehen, wie stark der Einfluss von Testosteron, dem männlichen Sexualhormon, auf jede männliche Handlung ist. Heftig ist untertrieben… so stand ich anfangs als Frau oft genug kopfschüttelnd neben dem, was mein männlicher Part gerade vollführte. Und konnte es weder verstehen, noch verhindern. Das hat sich geändert. Erfreulicherweise.



Elle:
Wie ging die Verwandlung äußerlich und innerlich vor sich, wie wurde in Stichpunkten aus Bernd Marlene?

Bernd/Marlene:

Die „innere Verwandlung“ ist gar nicht so spektakulär. Fühlt sich an wie der Gang in einen anderen Raum, anderes Licht, andere Einrichtung, andere Stimmung… und ja, deutlich mehr Empfindungen, Gerüche, Geräusche. Der äußere Wechsel ist da deutlich aufwendiger, jede Frau weiß das. Bei mir dauert’s eben rund eineinhalb Stunden, je nach Einsatzzweck, macht sehr viel Spass und das Ergebnis erstaunt mich jedes mal wieder – nach so vielen Jahren.

Elle:
Wie hat ihre Umwelt, ihr Freundeskreis auf diese Veränderung Umwandlung reagiert?

Bernd/Marlene:

Das war für mich die größte Überraschung. Ich hatte natürlich auch mit Ablehnung gerechnet. Mit dem Verlust einiger Kontakte, unfreundlicher Funkstille. Nicht umsonst wussten über 30 Jahre nur zwei Menschen von meinem erfreulichen Doppelleben. Aber genau das Gegenteil ist passiert: ehrliches Interesse, Anteilnahme, oft deutlicher Respekt. Und alle Freundschaften bleiben erhalten, sind heute sogar noch intensiver als zuvor. Und es sind sehr, sehr viele dazugekommen.

Elle:
„Mit einer Person kann ich sowohl einen Mann als auch eine Frau haben. Das ist ….perfekt!“ Meint Jean Paul Gaultier, der französische Modezar. Was ist Ihr Resümee?

Bernd/Marlene:

Wenn es jetzt schon eines geben darf – denn mein Doppelleben geht ja weiter (alleine würde ich das, was jetzt alles kommt, eh‘ nicht bewältigen…) – dann dieses:

„Wenn einer die Chance hat, zwischen zwei Welten in ihrer faszinierenden Unterschiedlichkeit zu wechseln, werden Grenzen sehr schnell unwichtig. Und wenn ich mit meinen Erlebnissen, meinem Buch für ein wenig mehr Verständnis zwischen Frauen und Männern beitragen kann, hat es sich mehr als gelohnt. „


Elle:
Sie schreiben über die Frauen als wundervolle Wesen, die den Männern das Leben erst lebenswert machen. Das ist ein wunderschönes Kompliment an alle Frauen, das ich jetzt von Bernd an alle „Elle’s“ weitergeben möchte.

Vielen Dank für dieses erlebnisreiche Interview und diese Einblicke. Ich werde das Buch lesen und allen ans Herz legen, mehr von Bernd und Marlene zu erfahren. Es wird im Oktober erscheinen und kann hier schon vorbestellt werden:

Amazon, auch erhältlich bei Gatzanis und
girls game

Und noch ein Tipp: Die Buchmesse vom 12. – 16.10.2011 in Frankfurt/Main, Halle 4.1. Stand D151 (GATZANIS Verlag), man sieht sich!

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Ein Kommentar

  • Marlene Bitzer am 08.09.2011 um 19:01 Uhr:

    Vielen Dank für Deine Unterstützung, Elena! Und falls ich Fragen Deiner Leser persönlich beantworten kann… gerne her damit! GlG Marlene

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