Baby, I’m your DJ! – Nisse

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Fern ab von Kuhdorf und der Harburger Industrie des Phoenix-Viertels, Besäufnissen, Prügeleien, GTI-Tunen und Dorffesten entwickelte Nisse seinen überzeugenden unverwechselbaren Stil.

Elle:
Nach einem schulischen Aufenthalt in England, bei dem Du Deine Liebe zum deutschem Rap entdeckt hast, zog es Dich im Alter von 17 Jahren in die legendäre und klischeebehaftete Herbertstraße. Geprägt von der Szenerie an Freiern, Zuhältern und Prostituierten, entwickeltest Du Dich in dieser Zeit auch musikalisch weiter. Wie hat Dich diese Szene beeinflusst? Gab es ein einschneidendes Erlebnis, welches Deinen Werdegang grundlegend geprägt hat?

Nisse:

Gewohnt habe ich in der Davidstraße über einem Bordell mit Blick in die Herbertstraße. Es gibt zu viele Geschichten die mich geprägt haben, aber von sehr schlimmen bis sehr schönen Erlebnissen ist alles dabei. Einmal wurde auf der Treppe zu unserer Wohnung ein Mann niedergestochen, einen Tag davor habe ich noch Torch im alten Mojo auftreten sehen. Das war zu der Zeit mein Held und er kam ins Publikum und hat neben mir einen Song performt. Kontraste dieser Art sind ein großer Teil dieses Auf und Abs in meinen Songs.

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Elle:
Du wolltest kein strikter HipHop-Faschist mehr sein und hast eiskalt Schluss gemacht mit der Szene. Aus Schicksalsschlägen des Lebens und Notizen aus dem Alltag entwickelst Du von nun an selbst Deine Demos, das Abitur wurde nachgeholt und es folgte eine Ausbildung als Medienkaufmann. Doch ein Nine-to-Five Job war nicht Dein Ziel und der Drang Deinen Traum zu verwirklichen wurde immer größer. Wie hast Du anfänglich die Musik und den Job unter einen Hut bekommen?

Nisse:

Ich habe einfach 10 Stunden gearbeitet, bin nach Hause gefahren, habe kurz was gegessen und dann nochmal 8-10 Stunden Musik gemacht. Ich weiß nicht ob man das „unter einen Hut bekommen“ nennen kann oder nicht eher Selbstzerstörung. Ich liebe das Musik machen einfach so sehr, dass es mir egal war nur ein paar Stunden zu schlafen, aber ich war schon am Ende meiner Kräfte bevor ich einen Deal bekam.

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Elle:
Gab es einen Interpret, der Dich durchweg begleitet und auch musikalisch inspiriert hat?

Nisse:

Michael Jackson. Und dann kommt lange nichts. Zu erklären warum ist wahrscheinlich überflüssig. Ich habe ihn auftreten sehen und es war unmenschlich perfekt. Die Songs sind zum Großteil eine eigene Liga und haben mich seit ich 5 Jahre alt bin immer begleitet.



Elle:
Dein Album lautet “August” erscheint aber erst im September – Witz oder Zeitprobleme? Was können wir vom Album erwarten?

Nisse:

„August“ im August rauszubringen wäre der wahrscheinlich noch größere „Scherz“ gewesen. Auf der einen Seite hätte es gepasst, wäre aber auch gleichzeitig etwas platt gewesen. Auf „August“ kann man durchdachte Texte die vom Herzen kommen und schöne Pop-Musik erwarten. Meine Co-Produzenten Steddy, Schwär, Rebscher und ich haben uns vor allem zur Aufgabe gemacht so viele Details und überaschende Momente wie möglich einzubauen ohne es zu überladen. Ich mag vor allem die Mischung aus den Originalen Drum-Computern wie zB. der TR-808 und den echten Schlagzeug-Klängen, die Kontraste aus den Streichern die wir aufgenommen haben und den Synthies und Sample-Strukturen. Ich glaube ein Album wie dieses gab es noch nicht, man muss es hören, es ist schwer zu beschreiben und sehr vielseitig.

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Elle:
Wo kann man Euch in nächster Zeit live erleben?

Nisse:

Ich gehe ab dem 26.9 auf meine eigene Tour, angefangen auf dem Reeperbahn-Festival und abschließend in der Berghain Kantine Berlin am 5.10. Für mehr Infos schaut ihr am besten auf meine Facebook Seite unter „NisseMusik“ oder für weitere Live-Dates auf Selective Artists.

Elle:
Welche Projekte stehen bei Nisse für 2015 an?

Nisse:

Zur Zeit bin ich ja noch voll in meinem Album, unter anderem haben wir ja für jeden Song ein Video gedreht welches jede Woche erscheint, das ergibt am Ende einen kompletten Kurzfilm und war sehr aufwändig. Für das bisschen Zeit das mir bleibt, arbeite ich mit verschiedenen Künstlern an deren Sachen, aber dazu kommen gegen Ende des Jahres sicher noch ein paar Neuigkeiten. Ansonsten ganz viel Live spielen und immer weiter Ideen sammeln!

Vielen Dank für das Interview!



photo © by Calvin Mueller

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