Michael Kutsche – Fantasy World


Als ich vor zwei Jahren mit Michael Kutsche Kontakt aufnahm, war ich nicht nur von den aktuellen Arbeiten zu Tim Burton’s „Alice in Wonderland“ (2010) begeistert. Alle seine Werke faszinieren. Um so mehr freue ich mich, dass ich von ihm wieder eine Zusage für einen Artikel bekommen habe.

Michael Kutsche ist ein preisgekrönter deutscher Künstler, Konzeptkünstler, Illustrator und 3D-Artist, der derzeit in Los Angeles, Kalifornien wohnt. Er ist ein autodidaktischer Künstler, der sowohl mit traditionellen und digitalen Medien arbeitet.

Seine Erfahrungen liegen im Bereich Kunst und Animation. Er ist Charakter-Designer, führt auch Regie bei Werbespots und Musik-Videos. Zu seinen Klienten gehören u. a. Disney Studios, Dreamworks, Sony Imageworks, Marvel Studios, Warner Bros., SEGA, The Creative Assembly, Saatchi & Saatchi.

Beim damaligen Interview fragte ich ihn, was seine Kunst ihm bedeutet und er antwortete, dass sie vergleichbar ist mit einem Tyrann, der jeden Teil seines Lebens beherrscht und immer mächtiger wird, je mehr er, Michael Kutsche, selbst nach künstlerischer Freiheit strebt.





Damals begannen am 16. Juni 2010 bei Walt Disney die Arbeiten zum Science-Fiction Film nach den Büchern von Tarzan-Erfinder Edgar Rice Burrough. „John Carter of Mars“, ein gewaltiges Filmprojekt, bei dem Andrew Stanton (Toy Story, Findet Nemo, Wall-E, Monster-AG) Regie führte. Der Produktions-Designer Nathan Crowley (Public Enemies, The Dark Knight, Batman Begins), Kostüm-Designer Mayes Rubeo (Avatar, Apocalypto) und Kameramann Daniel Mindel (Star Trek, Mission Impossible III, Spygame) gehörten ebenso zum hochkarätigen Team.




Elle:
Michael, ist es korrekt, dass du gerne alle deine Kreaturen schrecklicher, böser, monströser dargestellt hättest, sowohl bei Alice als auch bei John Carter?

Michael Kutsche:

Es ging bei John Carter darum eine Welt zu schaffen, die so wirkt also ob sie tatsächlich existieren könnte. Wir mussten uns also stark an den Gesetzen der Anatomie von Tieren und Menschen auf unserem Planeten orientieren. Ich denke dass bei John Carter eine gute Bandbreite von Figuren vorkommt, sowohl niedliche und sympatische als auch verwegene und schaurige.

Da es sich bei Alice um eine surreale Welt handelt, hätte ich mir dort mehr traum- und alptraumartige Bilder gewünscht, auch ungewöhnlichere Designs; es ist für meinen Geschmack etwas zu sehr in Richtung klassische Fantasy gegangen.



Elle:
Es ist nicht einfach eine neue Kreatur zu erschaffen. Wie inspirierst du dich, machst du Skizzen oder spielt sich alles zuerst in deinem Kopf, in deiner Fantasie, ab? Nimmt deine Fantasie auch mal einfach ihren Lauf?

Ich könnte mir gut vorstellen, wenn du unterwegs bist und dir auf der Straße Leute mit markanten Gesichtszügen oder einer bestimmten Ausstrahlung über den Weg laufen, dass du aus diesen gedanklich neue Wesen entstehen lässt? Ist dir das schon passiert?

Michael Kutsche:

In der Tat spielt das Beobachten der Welt um mich herum eine große Rolle, und es wäre auch zu gefährlich alle Inspiration aus Film und Kunst zu schöpfen, auch wenn sich das zum Teil nicht vermeiden lässt. Manchmal kann aus zufällig angeordneten Gegenständen, z.B. wenn sich Müll in Hinterhöfen anhäuft eine Figur, ein Gesicht usw. entstehen, auf die man am Zeichentisch niemals gekommen wäre. Ansonsten würde ich sagen dass ein Wechselspiel aus ausgedachtem und gesehenem notwending ist.

Wenn man sich zwingt alles aus der eigenen Fantasie zu erschaffen, wiederholt man sich zwangsläufig und die Bilder neigen dazu künstlich und eindimensional zu wirken.



Elle:
Du bist in vielerlei Hinsicht kreativ, du malst auch und zwar in Öl. Eine Ausstellung in New York ist geplant. Wie schaffst Du beides, die Filmarbeit und die freie Kunst unter einen Hut zu bekommen?

Michael Kutsche:

Das erfordert zum einen sehr viel Disziplin, und auch immer den Mut Anfragen für Filmprojekte auch mal abzulehnen. Aber ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt und begriffen dass ich beides brauche um mich als Künstler weiterzuentwickeln, beide Tätigkeiten sind sehr verschieden und das mag wohl der Grund sein warum sie sich gegenseitig inspirieren.



Elle:
Das epische Fantasy-Spektakel der Extraklasse, 3D läuft derzeit in den Kinos in Deutschland. Wie unterschied sich “John Carter of Mars”, zu deinen Arbeiten für „Thor“ unter der Regie von Kenneth Branagh und “Alice in Wonderland”?

Michael Kutsche:

Die Designs, die ich für John Carter of Mars gemacht habe unterscheiden sich natürlich stark von den Alice in Wonderland-Arbeiten… Es ist womöglich die größte Herausforderung des Character Designers: Sich immer wieder neu erfinden zu können, selbst die größte technische Perfektion wird irgendwann langweilig, wenn sich der Stil nicht weiterentwickelt. Ich finde es schade, wenn in Filmen immer wieder die gleichen Creature- und Character Design-Grundformen durchgespielt werden.



Elle:
Glaubst du, dass ein Künstler, der seinen Stil gefunden hat, stagniert oder sein künstlerisches Ziel erreicht hat? Ist es besser sich immer weiterzuentwickeln und auch mal einen neuen Weg zu gehen, zu experimentieren?

Michael Kutsche:

Dem muss ich zustimmen! Ich würde sagen dass so etwas wie ein Stil über die Jahre entsteht, indem man das malt was einen selbst interessiert und neugierig bleibt, das ist der authentische Weg. Wenn man es sich als Hauptziel setzt einen Stil zu entwickeln, wäre das so als ob man seinem eigenen Geist ein Gefängnis errichten würde.





Elle:
Gibt es Einflüsse von anderen Künstlern, die dich inspiriert haben?

Michael Kutsche:

Eine ganze Menge sogar, allen voran allerdings Stanley Kubrick, Moebius, Katsuhiro Otomo und Lucian Freud.





Elle:
Ist es ein befriedigendes Gefühl, wenn man ein Werk erfolgreich abgeschlossen hat oder hat man gemischte Gefühle?

Michael Kutsche:

Beides. Für einen kurzen Moment ist man zufrieden aber dann sieht man all die Stellen die man hätte besser lösen können.



Vielen Dank, Michael, dass ich hier in Coultique deine schönen und beeindruckenden Arbeiten vorstellen darf und weiterhin viel Erfolg!!!
Website

Share and Enjoy

Pinterest
All images in coultique.com are copyright restricted for coultique,
the artist or label. No reuse of images without express permission.

Leave a Comment


Name*
E-Mail*
Website

* Diese sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht!