Be Coultique – Jokke Kreutziger

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Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel, da verlor er seinen Jüngsten janz plötzlich im Jewühl. Aber in Pankow kann man auch jemand finden und zwar den Jokke.

Jörg Kreutziger, genannte Jokke, wurde 1978 in Berlin Pankow geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin als Soziotherapeut und Illustrator mit Fokus auf Digital Art, Illustration, Painting.

Zu seinen wichtigsten Klienten zählen Red Bull, Humboldt-Universität zu Berlin, Festwochen der Alten Musik Innsbruck, Bundesministerium für Gesundheit, Springer Gabler, Iriedaily u.v.

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Elle:
Du hast dich schon als Kind sehr mit dem Zeichnen beschäfigt. Als Sozialtherapeut berätst und betreust du Menschen in Krisensituationen, vermittelst Kindern, Jugendlichen/Erwachsenen die Fähigkeit sich gedanklich auszudrücken und Gefühle zu zeigen, um Probleme zu lösen. Malen/Zeichnen kann auch therapeutisch wirkungsvoll sein.

Jokke:

(lacht) Ja total, aber wohl eher für mich. Ich habe nie mit meinen Patienten gemalt, da fehlt mir die Erfahrung, um das einschätzen zu können. Für mich selber jedoch hat das Malen schon auch immer wieder einen säubernden Moment. Ich schalte da voll ab und das hat dann schon eine therapeutische, erholsame Wirkung vom Therapeutendasein. Auf der anderen Seite gehe ich aber auch immer wieder mal mit Frust von der Leinwand, wenn die Dinge nicht so funktionieren, wie ich es mir vorstelle. Auf jeden Fall versuche ich in meinen Bildern immer ehrlich und mutig zu sein und Emotionen festzushalten.

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Elle:
Wann war es für dich klar, dass deine Kunst mehr sein wird, als nur ein Hobby?

Jokke:

Das war ein schleichende Entwicklung. Als Student wurde ich vom Co-Direktor meiner Uni gefragt, ob ich ihm als Auftrag ein Bild zum Thema “Heiliger Geist” malen würde. Er war Pfarrer und hatte schon eine sehr renommierte und umfangreiche Sammlung zu diesem Thema. Ich habe dann 8 Semester bis zum Diplom für das Bild gebraucht und danach war ich auf einmal Auftragsmaler und dann Illustrator.

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Elle:
Wie wichtig ist es für einen Künstler sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und welche Bedeutung hat für dich die Künstlergemeinschaft “DAS BEET”?

Jokke:

Ein Austausch, egal ob mit Gleichgesinnten oder Artfremden, ist für mich wesentlich. DAS BEET ist eine ganz wunderbare Künstlergemeinschaft, die jungen Künstlern wachsen hilft. Für mich ist das ein sicherer Ort, ein Schmelztiegel der Ideen, an dem gefeiert, Schnaps verkostet, live gemalt und auch kritisert wird. Für mich ist das super wichtig, da ich von meinem Publikum selten Kritik auf die Ohren bekomme. Kritik macht ja eine Menge, sie festigt entweder den eigenen Standpunkt oder führt zum Hinterfragen und zu weiteren Entwicklungsprozessen.

Aber auch der Kontakt und Austausch mit Menschen, die nicht aus der Bilderwelt kommen, ist super relvant, gerade weil sie bei mir nicht selten unbeabsichtig neue Motive und damit neue Bilder auslösen.

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Elle:
Wie ist deine Arbeitsweise? Erstmal scribbeln, eine Skizze anfertigen und den Gedanken freien Lauf lassen, einen ersten Überblick für einen Entwurf oder ein Konzept zu haben, oder startest du mit genauen Vorstellungen, die in deinem Kopf entstehen?

Jokke:

Oh wow, das ist immer verschieden. Allein schon ob ich eine freie Arbeit umsetzte oder einen Auftrag realisiere ist ein Riesenunterschied. Am liebsten habe ich aber die Situation, vor eine weißen Leinwand zu stehen, mit so einem Funken an Idee und dann loszulegen. Ich schätze das sehr, da ich dann, klingt jetzt vielleicht wortschwanger, in einen Kommunikationsprozess mit dem Bild einsteige. Das gelingt mir nicht häufig, da ich immer viel Kontrolle über die Bilder haben will, aber ich werde besser und kann´s auch immer wieder einfach mal laufen lassen. Der Prozess, wie das Bild entsteht ist ja eigentlich das Zentrale, viel wichtiger als das Bild im Endergebnis.

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Elle:
Ist es für dich schwer bei Auftragsarbeiten dich nach Vorgaben zu richten oder ist das auch immer wieder eine Herausforderung, das Gewünschte mit deiner Fantasie zu verknüpfen?

Jokke:

Ja total, aber da kommt mir meine therapeutische Ausbildung, glaube ich zumindest, sehr entgegen. Ich denke, dass es in der Therapie, wie ich sie sehe, oft darum geht, die richtigen Fragen zu stellen. Na ja und so frage ich meinen Kunden halt Löcher in den Bauch, um sehr sehr nah an die Vorstellung heranzukommen, wie sie sich ein Projekt vorstellen. Dennoch würde ich nie meinen Stil verändern um einem Kunden zu genügen, schließlich wählen sie ja mich und damit auch meinen eignen Strich für die Aufträge aus.

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Elle:
Mit coolen Comicfiguren kann man viele Situationen aufzeichnen und aufzeigen. Es lassen sich so Probleme und Sachverhalte aufzeigen. Auch für Kinder und Jugendliche ein Thema. Nehmen wir mal an, du bekämst den Auftrag eine Figur zu kreieren, die einer Selbsthilfegruppe z. B. für Spielsucht zu einem Wiedererkennungseffekt verhelfen soll, wie wäre deine Vorgehensweise?

Jokke:

(schmunzelt) Ich hab tatächlich schon mal so etwas ähnliches gemacht, aber da ging es um Kinder aus suchtbelasteten Familien. Zunächst muss man sich ganz unbedingt vor Augen führen, dass es eine große Herausfroderung ist, Kinder und Jugendliche durch Bilsprache zu gewinnen. Schließlich sollten sie ja selber entscheiden, ob sie Bock auf etwas haben oder eben nicht und gerade wenn wir über Bildpsrache reden, dann konkuriert man in einer solchen Siuation auch immer wieder mit Blockbustern und total durchgestylten Computerspielen. Und demnach muss du halt, ich kokettiere jetzt mal sprachlich, was fettes raushauen, um Jugendliche zu gewinnen.

Aber generell ist eine zentrale Figur, mit der sich junge Menschen identifizieren sollen, ein guter Anfang. Ich habe zum Beispiel einmal ein Comic für das Bundesministerium für Gesundheit gezeichnet, in dem es um exzessiven Alkoholkonsum ging. Das Comic heißt “Letzten Freitag” und hört nach ca. 30 Seiten an der wesentlichen Stelle, wo die Hauptfigur sich abschießt und sich ins Koma trinken könnte, einfach auf. Dennoch sind weitere 10 blanke Seite im Comic zum weiterzeichnen. Wir haben das Comic dann verteilt und junge Menschen gefragt, wie ihre Geschichte enden würde, wenn sie die Hauptfigur wären. Das hat erstaunlich gut funktioniert. Patrizipation kann also, neben vielen anderen, ein guter Weg sein.

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Elle:
Ich selbst bin tierlieb und liebe deine Tier-Pastellzeichnungen. Wir Menschen haben ein widersprüchliches Verhältnis zu Tieren. Paradoxerweise finde ich, dass gerade in unserer vermeintlichen zivilisierten Welt die Grausamkeit gegenüber Tieren zunimmt. Wie ist deine Sicht dazu?

Jokke:

Hui, das ist ein komplexes Thema. Du sprichst sicher Massentierhaltung an. Nun, eines vorweg: ich bin Fleischesser. Aber es geht, wie bei allen anderen Konsumformen auch, um den Stil des Konsums. Wenn ich mir zum Beispiel immer einen Kasten Bier reinstellen würde, wenn ein gemaltes Bild nicht funktioniert, dann stünde ich sicher auf der Schwelle zur Sucht. Beim Fleischkonsum weiß ich immer gern, wo das Fleisch dann herkommt. Zudem bin ich weit davon entfernt, Fleisch jeden Tag zu essen. Ich finde es z.B. nicht besonders stilvoll, wenn sich eine Familie zum Frühstück, Mittag, Vesper, Abendbrot und zum Mitternachtssnack Fleisch hinterknallt. Aber selbst wenn sie es tut, dann bitte doch kein Fleischsupersonderangebot vom Discounter. Das Fleisch im Sonderangebot sein kann, finde ich schon absurd.

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Elle:
Du hast mal gesagt: „Wenn Menschen an meinen Sachen vorbeilaufen und sie für einen kurzen Augenblick verwundert, entzückt oder verwunschen sind, bin ich zufrieden!“. Ich kann dir versichern, dass dies nicht nur für ein kurzer Augenblick ist.

Ich wünsche mir noch viele viele Arbeiten von dir zu sehen. Was ist dein nächstes freies Projekt, schon etwas in Planung?

Jokke:

Ja, ganz unbedingt, es gibt immer viele Projekte. Momentan beginne ich gerade eine neue Serie großer gemalter Bilder, die unter dem Namen “close” laufen wird. In dieser Reihe versuche ich psychische Erkankungen bildlich zu interpretieren. Mir geht es dabei um das Aufbrechen der Label, die oft mit einer Diagnose bei einer psychischen Erkankung einhergehen. Ich möchte in meinen Bildern wieder eine Nähe zu Menschen mit psychischen Erkrankungen herstellen und sie eben nicht auf die Krankheit reduzieren.

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Elle:
In Zusammenarbeit mit einer guten Freundin, der Designerin Frida Weyer hast du wunderschöne Tier-Prints für ihr Streetwearlabel „March Mellow“ realisiert. Kannst du dir noch weitere Kooperationen vorstellen?

Jokke:

Im April werde ich bei dem Modellabel Y/O/U eine Shirtkollektion launchen, auf denen Superhelden der Luft zu sehen sein werden. Dafür habe sechs Vögel im Aquarellstil illustriert. Zudem habe Ich gerade einige Motive für Iriedaily realisiert, die in der Kollektion 2014 rauskommen.

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